Ra(n)dnotizen #72

Will man wirklich positive Dinge in Sachen Radverkehr berichten, muss man nach wie vor ins Ausland schauen. So zum Beispiel nach Norwegen, wo man jetzt in einigen Großstädten – ich meine, das auch schon gelegentlich erwähnt zu haben – richtig klotzen und Fahrradautobahnen bauen möchte. Um die ambitionierten Klimaschutzziele des Landes zu erfüllen, soll die Radverkehrsinfrastruktur ausgebaut werden, um auf diese Weise mehr Menschen auf das Fahrrad zu locken.

Wer sich nun gemütliche einspurige Fahrradwege auf der Straße oder dem Bürgersteig vorstellt, der liegt falsch. Die „Bicycle express routes“ laden zu hohen Geschwindigkeiten ein und sind damit besonders (aber nicht nur) für E-Bikes geeignet. Die Fahrrad-Autobahnen sollen in neun großen städtischen Gebieten gebaut werden, um schnelles sowie direktes Radfahren zu erleichtern. Innenstadt und Randgebiete werden somit verbunden und sind dann besser mit dem Fahrrad erreichbar.

Wobei mich das direkt wieder an die Radnotizen #70 erinnert, in denen ich von Wien berichtete, wo man ebenso Radschnellwege bauen möchte. Bei Facebook hat dann ein Leser aus Wien die Sache ein wenig kommentiert und ein Foto dazu geliefert. Wie es aussieht, bleibt es wohl aktuell bei den Planungen, umgesetzt ist zumindest noch nichts.

Viel weiter gegangen ist hier nichts, denn nur Planungen am Papier heißt noch lange nicht, dass es umgesetzt wurde. Vor allem wenn man Fußgänger und Radfahrer auf eine gemeinsame Restfläche benützen müssen.

Schade auch. War doch der Gedanke sehr fein, das es zumindest außerhalb Deutschlands auch über markige Worte hinausgeht. Und das, wo gerade ein Bericht der European Cyclists‘ Federation durchs Netz geistert, der dem Radfahren große volkswirtschaftliche Vorteile bescheinigt.

Insgesamt liege der wirtschaftliche Nutzen von Radfahrern bei mehr als 513 Milliarden Euro, so das Ergebnis der Studie. Diese Gesamtrechnung setzt sich aus vielen verschiedenen Posten zusammen: Der Gesamtumsatz der Fahrradindustrie, Effekte wie CO2-Reduzierung, verbesserte Gesundheit oder Wertschöpfung im Tourismus. Die Studie bezieht sich auf das Jahr 2014 und die 28 EU-Staaten. Die offizielle Bevölkerungsstatistik verzeichnete zu der Zeit knapp über 500 Millionen Einwohner. Teilt man nun die errechneten ökonomischen Effekte mit der Einwohnerzahl, kommt man auf die genannten 1.000 Euro Nutzen pro Kopf.

Den kompletten Bericht – in angelsächsischem Zungenschlag – kann sich der interessierte Sprachkundler hier herunterladen. 😉

Was mich persönlich aufhorchen ließ, war eine Meldung über die ich bei Ebike-Base stolperte. Manch einem ist ja das so genannte Dienstrad bekannt. Bei diesem Finanzierungsmodell kann quasi, ganz profan gesagt, ein Leasingrad vor Steuer erworben werden. Dies steht im Grunde allen Arbeitnehmern zur Verfügung, sofern deren Arbeitgeber da mitspielt. Nur funktioniert dies bisher nur in der Privatwirtschaft. Ich selbst als Beamter kam also, ebenso wie Angestellte im öffentlichen Dienst, nicht in dieses Privileg. Dies könnte sich aber nun ändern, denn es wird zumindest darüber nachgedacht. Schließlich gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz.

Ende 2016 wird der Tarifvertrag der Länder für die Angestellten neu verhandelt, allerdings müssen hier alle Länder mehrheitlich einer Änderung zustimmen. Oder für die Gehaltsumwandlung eine Öffnungsklausel vereinbaren. Bislang sperrt sich die Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Vor zwei Jahren gab es schon mal einen Anlauf. Der Knackpunkt sind die Sozialversicherungsbeiträge, die durch eine Gehaltsumwandlung gemindert werden.

Wird das was, könnte mein nächstes Rad durchaus auf diese Weise finanziert werden. Immerhin gilt ja n+1 als die optimale Anzahl Fahrräder, weshalb der aktuelle Fuhrpark sicher über kurz oder lang Erweiterung finden wird.

Etwas ganz anderes ist mir dann noch letzten Monat untergekommen, was ich bisher so überhaupt micht mit dem Thema Fahrrad in Zusammenhang gebracht habe. Der Jakobsweg. Die meisten kennen wohl das Buch von Hape Kerkeling, welches ich selbst als Hörbuch gern auf längeren Autofahrten anhöre. Darin erzählt er, auf sehr unterhaltsame Art und Weise, von seiner Wanderung nach Santiago de Compostela. Das aber wohl inzwischen jeder zehnte Pilger mit dem Fahrrad unterwegs ist, war mir bisher neu. Und der Einschätzung, das dies künftig durch vermehrte Nutzung von E-Bikes noch zunehmen könnte, kann ich mich durchaus anschließen.

Immer häufiger, vermute ich, wird man in Zukunft auch Menschen mit dem e-Bike auf dem Camino sehen. Besonders auf anspruchsvollen Jakobswegen, wie dem bergigen Küstenweg, kann diese Art des erleichterten Radfahrens natürlich ein Vorteil sein. Aber auch für Menschen, die ansonsten vielleicht gesundheitlich gar nicht in der Lage wären, den Weg zu schaffen, oder von zuhause aus lospilgern wollen, kann das Pilgern mit e-Bike eine Option und Chance sein.

Und das die E-Bikes auf dem Vormarsch sind, ist offensichtlich. Auch wenn das Handelsblatt im Mai noch unkte, dass der Boom dem Ende zugeht, sind die Verkaufszahlen wohl weiterhin stabil bis steigend. Und hehe, sogar ich habe mir inzwischen eins zugelegt, für den täglichen Weg zur Arbeit. Da ist so ein „Alteleutegefährt“ nämlich eine enorm angenehme Sache, gerade wenn man nach 13 Stunden Nachtschicht gegen den Wind nach Hause radeln muss… 🙂

Tweet der Woche: Wichtige Fahrzeugkontrolle

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Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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