Ra(n)dnotizen #77

Die erst kürzlich veröffentlichten Unfallstatistiken im Zusammenhang mit Pedelecs haben ja, so im Nachgang betrachtet, jede Menge Staub aufgewirbelt. Soviel, das sich nun fast allenorten jemand berufen fühlt, die Sicherheitssituation der Radfahrer zu beleuchten und Vorschläge zu machen, wie man sie denn verbessern könnte.

Und so war die Sicherheit der Fahrradfahrer auch ein wichtiges Thema auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag Ende Januar in Goslar. Und was soll man sagen, die Forderungen des VGT decken sich doch tatsächlich fast exakt mit denen, die auch das Berliner Radgesetz mitbringt. Na sowas aber auch.

In Deutschland sollten für den zunehmenden Radverkehr überall durchgehende Verkehrsnetze geschaffen werden. Die Infrastruktur für Radfahrer solle „generell einfach, selbsterklärend und sicher“ gestaltet werden und den Standards der Forschungsgesellschaft für Straßenbau- und Verkehrswesen entsprechen. Der VGT fordert zudem speziell ausgebildete und ausgerüstete Fahrrad-Staffeln der Polizei für Städte mit nennenswertem Fahrradverkehr sowie die gesetzliche Verankerung von technischen Lösungen wie Abbiegeassistenten bei Lkw oder Notbremsassistenten bei Autos.

Mit dem Thema Deutscher Verkehrsgerichtstag hatte sich vorab auch schon der WDR befasst – um hier mal bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu bleiben – und dabei auch gleich eine ganz interessante Aussage getroffen. Die ist zwar eigentlich kein Geheimnis, trifft aber direkt in ein altes Vorurteil. Nämlich das Vorurteil vom „Radelrambo der massenweise Verkehrsunfälle baut“.

Besonders Unfälle mit Lkw häufen sich, sagt der Unfallforscher. Dabei sind zwei Drittel der beteiligten Radfahrer nach einer Auswertung der GDV-Unfalldatenbank Frauen und 40 Prozent über 65 Jahre alt. Sie sind in der Regel langsam unterwegs. „Das sind also keine schnellen und rücksichtslosen Radfahrer“, sagt Siegfried Brockmann. Schnelle und geübte Radfahrer sind nach Ansicht des Experten sogar eher versierter darin, in Gefahrensituationen die passende Reaktion zu zeigen.

Und ein hübsches Video zum Thema Sicherheit im Straßenverkehr wird auch gleich noch mitgeliefert. 🙂

A pro pos Video, da bin ich schon vor einigen Tagen über ein wirklich fein gemachtes Video gestolpert. Das ist inzwischen durch die sozialen Netzwerke durch, sollte also eigentlich bekannt sein. Aber es ist wirklich nett, also hier noch einmal. Dabei handelt es sich um ein „Werbevideo“ der kanadischen Stadt Victoria (British Columbia), in dem durch einheimische Radler gezeigt wird, warum die Stadt zu Recht die Fahrradhauptstadt Kanadas ist.

Das Ganze ist dabei als Parodie auf das Video Downtown von Macklemore und Ryan Lewis gemacht. Sehr gelungen, sehr genial!

Eine weitere ziemlich interessante Sache in den letzten Wochen war ein Prozess in Wuppertal. Dort hatte nämlich jemand die Stadt verklagt, nachdem diese einen 300 Meter langen Abschnitt komplett für Radler gesperrt und diese auf eine Ausweichstrecke gezwungen hatte.

Denn auf dem Teilstück der Bundesstraße 7, die das Tal als Hauptverkehrsachse durchschneidet, ist das Fahrradfahren verboten. Zu gefährlich, argumentiert die Stadt, zudem seien die Busspuren mit 3,50 Meter zu schmal für Bus und Radfahrer. Letztere werden deshalb umgeleitet, auf eine parallel geführte Ausweichstrecke. Schmidt will das nicht akzeptieren. „Wir hatten dort 20 Jahre lang keine Gefahrenlage“, sagt der passionierte Radler, „und es sind so wenige Busse und Radfahrer unterwegs, dass sie sich fast nie ins Gehege kommen. Deshalb habe ich gegen die Sperrung geklagt.“

Das die Klage abgewiesen wurde, bedarf wohl kaum noch weiterer Erwähnung, denn in Autofahrerdeutschland kann es schließlich nicht sein, das sich Radler ihren Anteil am bestehenden Verkehrsraum erfolgreich einklagen. Den kompletten Text der Klageabweisung findet man bei Facebook. Zwar nur als Fotos, aber immerhin.

Aber es ist eben immer dasselbe, wenn es für Radfahrer potenziell gefährlich werden kann – was ja im Grunde die Teilnahme am Straßenverkehr generell ist, aber das ist wieder eine ganz andere Sache – wird einfach gesperrt und der Radverkehr über Hintertupfingen umgeleitet. Anders macht man es in Osnabrück. Dort gibt es zwar jede Menge Radwege, aber die bieten alles andere als die versprochene Sicherheit. Die enden nämlich, und das ist sicher nicht nur in Osnabrück so, oftmals mitten im Nichts. Und schwupp, hängt der Radfahrer mitten im Kraftfahrzeugverkehr.

„Da fährst du, und plötzlich ist vor dir der Radweg zu Ende! Einfach so! Zack: Parkstreifen!“, sagt die Studentin. Wer vom Osnabrücker Hauptbahnhof Richtung Innenstadt die Möserstraße nimmt, passiert diese Stelle: Der Radweg endet ohne Vorwarnung. Wer Pech hat, dem kommt noch ein rückwärts ausparkendes Auto entgegen. Denn hier ballen sich Bäcker, Apotheke, Bank, Fahrschule, Asia-Shop – viel Lieferverkehr, viele Kunden, alles eng auf eng.

Und dann gibt es heute gleich noch ein Video. Die Sendung „Extra 3“ mag ich eigentlich ganz gerne, aber neulich kam ein Beitrag, der irgendwie ein wenig daneben war. Beteiligt war dabei auch mal wieder der Bund der Steuerzahler, der sich in letzter Zeit ja ohnehin nicht wirklich radlerfreundlich zeigte. Dabei geht es um einen Radweg, der zwischen den zwei Örtchen Ronneberg und Devese im Süden Hannovers neu gebaut werden soll. Stein des Anstoßes ist dabei, das diese beiden Orte schon verbunden sind, der bestehende Radweg eben nur ausgebessert werden müsste.

Aus dieser Sicht mag es passen, wenn man hier von Steuergeldverschwendung redet, denn für den 2,6km langen Neubau werden 800.000€ veranschlagt. Sieht man aber das ganze Video, in dem einmal einige Teilabschnitte des bestehenden Radweges, aber auch Verlaufsskizzen gezeigt werden, dann wird dem geneigten Radfahrer schnell klar, das der Neubau eigentlich eine richtig gute Idee ist. Denn während der alte Radweg im Zickzack durch unübersichtliches Gebiet verläuft, wird der neue Radweg nahezu gerade sein. Über die Verschmutzung im Wald und die Gefahr von Wurzelaufbrüchen müssen wir dabei auch gar nicht mehr reden.

Also ich finde ja, hier haben die Politiker und Entscheider mal wirklich mitgedacht und gerade im Hinblick auf die Tatsache, das der neue Radweg Teil eines Vorrangnetzes sein soll, wird man um seinen Neubau kaum herumkommen. 🙂

Tweet der Woche: Mangelhafter Winterdienst

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

Kommentar verfassen