Ra(n)dnotizen #81

Ein Skandal bahnt sich an und das ausgerechnet in der Hauptstadt. Nachdem #R2G nun einen Testprojekt angekündigt hatte, bei dem auf der Frankfurter Allee eine Fahrspur an die Radler gehen soll – ja, ja, Augenwischerei weil nur ein kurzer Abschnitt und nur stadtauswärts – kommt jetzt das “next big thing” auf die Autofahrer zu. Ihnen sollen in Kreuzberg Parkplätze weggenommen werden. Um sie dann, wie gemein, an Fahrradfahrer zu geben.

Der Fahrradbezirk Friedrichshain -Kreuzberg tritt kräftig in die Pedale. Beseelt vom Rückenwind durch die radfreundliche Politik des rot-rot-grünen Senats soll es auf Antrag der bezirklichen Grünen auf dem Kottbusser Damm sowie auf der Zossener Straße Fahrradstreifen geben. Dafür müssten Parkplätze weichen.

Besonders fein an dieser Sache ist, das die entstehenden Fahrradstreifen durch Poller baulich von der Fahrbahn getrennt werden sollen. Damit dürfte dann das übliche Radspurparken wirkungsvoll verhindert werden, was die Sache besonders begrüßenswert macht. Das der ADAC damit nicht einverstanden ist, muss vermutlich nicht extra erwähnt werden.

Allerdings bringt mir das wieder eine Sache in Erinnerung, die mir demletzt via Facebook über den Weg gelaufen ist. Da hatte sich Bezirksstadtrat Falko Liecke ganz mächtig darüber echauffiert, das auf Antrag der Grünen einige Parkplätze vor dem Rathaus entfallen sollten, um dort Fahrradbügel aufzustellen. Von Kulturkampf gegen Autofahrer war die Rede, der niemandem helfen würde.

Ich empfehle die Lektüre der Kommentare, da wird nämlich ganz schnell so einiges klar. Ohne zuviel verraten zu wollen: Die benachbarten Radbügel waren wegen des Winters recht leer, insgesamt sind sie für Radler nur schwer zu erreichen, da im laufenden Verkehr angehalten und das Fahrrad auf den Gehweg gehievt werden muss und – das ist eigentlich besonders witzig, gegenüber ist ein Parkhaus, das fast den ganzen Tag lang leersteht. Wo die PKW sogar vor Wind und Wetter geschützt parken könnten. Aber man muss eben ein paar Taler bezahlen und 50 Meter weiter laufen. Für einen Autofahrer unzumutbare Härte. Sozusagen. 😉

Ach, und beinahe hätte ich es nicht erwähnt. Falko Liecke ist Stadtrat für Jugend und Gesundheit. Womit die Förderung des Radverkehrs für ihn eigentlich ganz klar Priorität vor dem Autoverkehr haben sollte.

Eine ziemlich traurige Nummer hat in der letzten Woche auch die ADFC-Ortsgruppe Langenhagen gebracht. Sie springt doch derzeit glatt auf den Zug mit auf, der erst vor einigen Wochen durch die sozialen Netze rauschte. Der “rasante” Anstieg der verunfallten E-Biker. Ganz reißerisch heeißt es im Header: “73 % mehr tote E-Radfahrer: 3-Stufen-Gegenkonzept“. Im (spärlich vorhandenen) Text wird dann jedoch keineswegs auf mögliche Gründe eingegangen, es heißt lediglich:

Wir sind dagegen:
Wir tun was dagegen!!!!!

Sehen wir jetzt mal von der Verwendung multipler Satzzeichen ab – man könnte hier gern auch noch ein !!!!121einseinsdrölf *aufstampf* spendieren – kommen keine weiteren Erklärungen und wohl auch keine Einsicht, das solche Zahlen Unfug sind. Klar, ein Anstieg von 33 auf 57 Tote Radfahrer ist ein Drama, da gibt es kein Vertun, jedoch stehen dem fast eine halbe Million verkaufter E-Bikes gegenüber. Also sollte man besser nach den wirklichen Ursachen suchen und die Steigerung nicht auf das verwendete Fahrrad schieben.

Allerdings sieht es ohnehin ganz danach aus, als wolle man mit dieser Nummer nur seine Kurse ordentlich voll bekommen. Was dann, gerade weil es unter dem Logo des ADFC geschieht, besonders armselig ist. Aber das ist wohl die Sache mit den schwarzen Schafen, die es in jeder guten Familie gibt…

Gehen wir mal weiter in den Süden, und zwar an die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Im Rahmen des Projektes “Velo Rheintal” wurde an den 12 Grenzübergängen der Radverkehr gezählt. Dabei stellte sich heraus, das schon jetzt ganze 8% der Grenzübertritte mit dem Fahrrad erfolgten.

“Dass sogar auf sehr unattraktiven Verbindungen wie der Brücke von Au nach-Lustenau ca. 400 Personen pro Tag mit dem Rad die Grenze überqueren, hatten wir nicht erwartet. Bestätigt hat uns, dass an attraktiven, gut ausgebauten Radverbindungen wie Lustenau-Widnau oder Koblach-Montlingen, ein Radverkehrsanteil von 16 Prozent verzeichnet werden konnte. Verbindungen mit eigenständigen Radführungen wie in Gaißau oder bei der grünen Grenze in Höchst werden bereits jetzt sehr stark genutzt. Hier spielt natürlich auch der Freizeitverkehr eine Rolle, aber auch an Werktagen im Alltagsverkehr werden diese Verbindungen sehr gut angenommen. Das bestätigt uns, auch die grenzüberschreitende Radinfrastruktur weiter auszubauen”, so Landesrat Johannes Rauch.

Solcherlei Erhebungen wären wohl sicher auch für die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden interessant, wo es ja auch jede Menge Pendlerverkehr gibt. Übrigens werden in Vorarlberg derweil jedes Jahr 3 Millionen Euro für die Radverkehrsförderung ausgegeben. Das Ganze dann mit dem Ziel, bis 2020 einen Radverkehrsanteil von 20% zu bekommen.

In Österreich hat man eben die Zeichen der Zeit erkannt. So wird bspw. auch in Wien derzeit jede Menge getan. Mit dem Baupaket “Fuß- und Radverkehr 2017” legt man aktuell los und will für jede Menge Lückenschlüsse in der Stadt sorgen.

„Für immer mehr Wienerinnen und Wiener ist das Radfahren in der Stadt zu einem unverzichtbaren Teil ihres Alltags geworden. Immer mehr Menschen nutzen das umweltfreundliche Fahrrad für ihren Weg in die Arbeit, zum Einkaufen und in ihrer Freizeit. Dafür errichten wir entsprechende Radwege, um das Radfahren sicher und attraktiv machen“, so Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou.

Nun kann ich allerdings schwer beurteilen, ob hier wirkliche Erfolge zu erwarten sind, oder ob auch wieder nur Blendwerk betrieben wird, denn ich kenne die Radwegesituation in Wien nicht weiter. Aber dafür, das reichlich auf dem Plan steht und sowohl Baubeginn als auch Bauende für den Sommer 2017 angedacht sind, klingt es nach einem feinen Vorhaben. 🙂

Tweet der Woche: Alle radeln…

https://twitter.com/SecretCoAuthor/status/832647220881027072

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Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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