Ra(n)dnotizen #82

Na da wurde ja wieder etwas ins Gespräch gebracht, was insbesondere deutschen Autofahrern zu manch Extrasystole gelangt. Rechtsabbiegen für Radler bei Rot. Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, denkt das Bundesverkehrsministerium tatsächlich darüber nach, diese doch recht sinnvolle Einrichtung, die in anderen europäischen Ländern schon jetzt hervorragend funktioniert, auch in Deutschland zuzulassen.

Das Bundesverkehrsministerium prüft nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, ob neue Schilder eingeführt werden können, die Radfahrern künftig das Rechtsabbiegen bei Rot an Kreuzungen erlauben. Die Bundesanstalt für Straßenwesen solle die Frage klären, ob eine solche Regelung für die Verkehrssicherheit sinnvoll ist und ob die “Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung” entsprechend geändert werden könne.

Ich persönlich würde ja generell für den so genannten Idaho-Stopp plädieren, bei dem Radler rote Ampeln wie Stoppschilder und Stoppschilder wie Vorfahrt-beachten-Schilder zu beachten haben. Aber jetzt erklär mal dem deutschen Autofahrer, das der Radler etwas darf was ihm verwehrt bleibt. Dinge wie bessere audiovisuelle Wahrnehmung und dergleichen sind dann ganz schnell Argumente die nichts zählen. Denn anderen etwas erlauben ist ja genauso schlimm wie einem selbst was wegnehmen. Und das darf ja nun wirklich nicht sein.

Da wird es dann auch spannend zu sehen, wie eine Idee transportiert werden soll, die auf dem Verkehrskongress in Wuppertal thematisiert wurde. Die Vision von der autoarmen Stadt. Schön ist ja, das man dort festgestellt hat, das Autos ohnehin die meiste Zeit nur herumstehen und das sogar dann, wenn sie genutzt werden. Und so wurde das Konzept von der “Faktor-10-Mobilität” vorgestellt.

Das Ziel ist, die kompletten Mobilitätsbedürfnisse in Städten mit einem Zehntel der Autos zu befriedigen. Eine große Rolle spielen Busse und Bahnen, Zu-Fuß-Gehen und Radfahren. Das private Auto hat in der Vision wenig Platz, motorisierte Fahrzeuge grundsätzlich aber schon.

Wenn ich mich da allein im Kollegenkreis so umhöre, dann dürften solche – zweifelsohne tollen – Visionen in Deutschland auf jede Menge Widerstand stoßen. Aber abwarten, wenn die Politik da etwas mehr Mut aufbringt, dann kann der Bürger ja auch zu seinem Glück gezwungen werden.

Anderes Thema. Smartbikes. Da polterte demletzt ein System durch meine Kanäle, das ich für durchaus interessant halte. Auch wenn natürlich gleich wieder von allen Seiten Datenschutzbedenken angemeldet werden. Dabei handelt es sich um ein Rücklicht für das Fahrrad, das mit einer Kamera versehen und mit dem Smartphone gekoppelt ist. Auf diese Weise ist das Smartphone quasi ein Rückspiegel.

Warum Datenschutzbedenken? Ganz einfach, das Ding ermöglicht es auch, einen Livestream ins Internet zu senden. Und hier sieht man nun, weil ja auch Kennzeichen und dergleichen mehr zu sehen sind, eine mögliche Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Ob die Qualität des Streams dann aber dafür ausreicht, sei mal dahingestellt.

Mit dabei ist übrigens noch eine Blinkerfunktion. Blinker sind zwar nach aktueller Rechtslage am Fahrrad nicht (oder nur sehr eingeschränkt) zulässig, das könnte sich aber dem Vernehmen nach bald ändern. Ich finde das Ding jedenfalls enorm witzig und sehe darin auch ein gewisses Potenzial, Autofahrer davon abzuhalten, zu dicht aufzufahren. Wenn die nämlich eine Kamera am Fahrrad sehen, kennen die ja plötzlich wieder das Wort Abstand. 😉

Und dann gibt es gleich noch ein Video. Es zeigt eine ganz gewöhnliche Radfahrt in Hamburg, bei der dann alle 3 Minuten ein Falschparker auf dem Radweg steht. Vermutlich kann man so ein Video aber auch in jeder anderen deutschen Stadt drehen, denn diese Problematik gibt es ja überall.

Das ist eben die Krux: Die Radfahrer werden auf Radwege gezwungen, die zumeist ungeeignet sind, oftmals in sehr schlechtem Zustand und dabei redet man ihnen ein, sie wären darauf sicherer. Tatsächlich sieht es aber stets danach aus, als sollen die Radwege nur dazu dienen, die Radfahrer von der Fahrbahn fernzuhalten, also die Autofahrer vor den Radlern zu schützen. Leider wird dabei dann aber immer wieder vergessen, die Radler im Gegenzug auch vor Autos (und ebenso vor Fußgängern) zu schützen.

Bis dahin reicht es dann irgendwie nie aus. Oder hat schonmal jemand einen Vertreter der Ordnungsbehörden dabei erlebt, wie er einen Fußgänger, der auf dem Radweg läuft, mit einer OWi belegt? Sicher nicht. Radwegparker werden in ganz seltenen Fällen ja noch zur Kasse gebeten, wenngleich das auch die Ausnahme ist, aber alles andere ist egal. Der Radfahrer ist auf dem Radweg aus den Augen, und damit auch aus dem Sinn. 🙁

Nun denn, kommen wir zum Abschluss noch zu etwas Positivem. Berlin will nun plötzlich 20 Millionen Euro locker machen, um damit Radwege auszubauen. Eine sehr gute Sache, wie ich finde und in Verbindung mit den geplanten Radschnellwegen/-routen, über die man derzeit in Berlin nachdenkt, auch ein ganz großer Schritt in die richtige Richtung. Dazu gibt es auch noch Personal, so dass man bei positivem Denken sogar meinen kann, das hier in den kommenden Jahren noch mit weiteren Mitteln zu rechnen ist.

Alle zwölf Bezirke bekommen etwas vom Kuchen ab. Damit die Gelder auch tatsächlich verbaut werden, darf jeder Bezirk zwei Planerstellen ausschreiben und besetzen, wenn sich denn genügend Bewerber finden. Parallel wird die neue landeseigene Velo GmbH als Tochterunternehmen von Grün Berlin aufgebaut. Sie soll künftig größere Bauprojekte, darunter Radschnellwege, mit eigenem Personal realisieren.

Und wer nun noch etwas Kurzweil sucht, der schaut sich einfach mal die Kommentarspalte unter dem Artikel im Tagesspiegel an. Dort schlägt wie üblich der Beißreflex der Autofahrer zu und man kann ein ums andere Mal gut lachen. Aber auch kritische, ernsthafte und andere sinnvolle Kommentare finden sich dort, die dann die 20 Millionen plötzlich sehr spärlich erscheinen lassen. Insgesamt also eine durchaus lesenswerte Sache.

Tweet der Woche: Watzefack?!

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Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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