Ra(n)dnotizen #83

Bei Amsterdam gibt es seit einem Jahr ein 70 Meter langes Stück Radweg, das komplett aus Solarzellen besteht und somit nicht nur eine feine und gut befahrbare Oberfläche hat, sondern eben auch gleich noch Strom produziert. Nach diesem ersten Jahr hat man nun resümiert, das der Radweg in Sachen Stromerzeugung eine wirklich gute Performance an den Tag legt.

In den ersten 6 Monaten brachte er ganze 3.000 Kilowattstunden, also den Verbrauch eines Einfamilienhauses, in kompletten ersten Jahr waren es ganze 9.800 Kilowattstunden. Grund genug, auch gleich ein wenig größer zu denken:

Solar- und Radweg-Spezialisten berechneten nun die Kapazität des niederländischen Gesamtwegenetzes. Rund ein Fünftel der 140.000 Kilometer Radwege könnten dort zur Erzeugung des Ökostroms genutzt werden.
„Straßen könnten künftig so auch den Strom produzieren, den Elektroautos, die darauf fahren, verbrauchen”, hatte Projektleiter Sten de Wit schon vor dem Start der Solarroad gehofft.

Ziemlich spannend eigentlich, denn ein Solarzellenradweg bringt gleich noch einen weiteren Vorteil mit. Es ist nämlich im dringenden Interesse des Betreibers, das er stets gereinigt ist, was dann ja wieder dem Radfahrer entgegen kommt. Saubere Radwege befahren sich eben viel besser als die schmutzigen Dinger, die man bspw. hier in Berlin an jeder Ecke angeboten bekommt.

Eine weitere Sache mit reichlich Strom geisterte die letzten Tage recht häufig durch die Kanäle. Die DHL testet Lastenfahrräder für die Zustellung im innerstädtischen Bereich. Eine wirklich feine Sache, quasi seit Jahren ganz genau mein Reden. Die so genannten Cubicycles haben elektrische Unterstützung, damit auch bergige Passagen machbar sind. Pro “Füllung” kann der Bote dann bis zu 90 Sendungen unterbrongen.

Wegen des großen Wachstums bei Bestellungen übers Internet und der steigenden Verkehrsdichte stelle die Zustellung in den Innenstädten zunehmend eine besondere Herausforderung dar, erklärte Tobias Wider von DHL Express. Ein City-Hub könne bis zu zwei herkömmliche Zustellfahrzeuge ersetzen und damit die CO2-Emissionen reduzieren. Das Ziel sei eine emissionsfreie Zustellung. Das Projekt soll jährlich über 16 Tonnen CO2 einsparen, in den Niederlanden wird es seit April 2015 getestet.

Nun denn, derzeit ist es ja nur ein Test in Frankfurt, bleibt zu hoffen, das er positiv verläuft und die Cubicycles bald flächendeckend in Dienst gehen und vor allem auch andere Logistikunternehmen dem Beispiel folgen.

Kommen wir zu einem Thema, das sich inzwischen langsam zum Dauerbrenner entwickelt. Malerarbeiten. Nicht selten sind Städte dabei, ganz einfach Schutzstreifen auf Straßen zu malen und meinen dann, damit würde man Radfahrer schützen. Dabei wird dann immer wieder vergessen, das man Autofahrer trotzdem dringend schulen müsste, das eben auch beim Schutzstreifen 1,5 Meter Überholabstand zu halten sind und ggf. Unterschreitungen auch konsequent ahnden.

Passiert aber nicht, man malt einfach etwas weiße Farbe auf die Straße und meint, damit wären alle Probleme dieser Welt gelöst. Und die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e.V. (AGFK-BW) macht dabei mit, indem sie sogar ein Werbefilmchen produziert hat, mit dem Radlern die “grandiosen Vorteile” solcher Pinseleien nahegebracht werden sollen.

Watzefack? 😮

Auf eine ganz interessante Sache aus München wurde ich in den letzten Tagen erst aufmerksam. Auch dort hat man wohl so langsam die Nase voll von verpesteter Luft und Dauerstau in der Innenstadt, so dass sich nach und nach ein Bürgerbegehren entwickelt. Ähnlich wie in Berlin, wo man ja gleich mittels Volksbegehren ein ganzes Radgesetz in die Spur bringen möchte, soll über dieses Bürgerbegehren in München die Verkehrswende erzwungen werden.

Die Umweltschützer von Green City wollen zusammen mit anderen Verbänden und Parteien von Mitte November an Unterschriften sammeln, um die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO₂) entlang großer Straßen zurückzudrängen.

Unter dem Slogan “Sauba sog i” präsentiert sich die Initiative und wirbt um Unterschriften für das Bürgerbegehren. Eine feine Sache, der man durchaus mal die Daumen drücken sollte. Und ich vermute mal, das wir demnächst noch mehr davon hören werden, denn solche Aktionen werden ja gern dicker als zunächst geplant und gerade beim Thema Verkehrswende gibt es ja kein “irgendwie so ein bisschen”, sondern eben nur das volle Programm. Und das ist ja gern recht medienwirksam.

Radverkehrskonzepte habe ich hier ja auch schon ein ums andere Mal erwähnt, zuletzt das aus Potsdam. Wolfsburg hat auch eines, das jetzt in gedruckter Form erschienen ist. Das wiederum war dem Focus eine Meldung wert. Immerhin, es gibt da jetzt eine Broschüre. Ist ja auch recht schwer, sich fix ein PDF herunterzuladen. 😉

Aber okay, ein wenig trommeln gehört zur Politik und was drinsteht, klingt ja auch erstmal ganz brauchbar. Ebenfalls wie es ganz brauchbar klingt, das auch ein paar Taler dafür locker gemacht werden sollen. Aber auch Dresden ist derzeit mit seinem Radverkehrskonzept in den Nachrichten gelandet. Allerdings nicht wegen einer Hochglanzbroschüre, sondern wegen politischer Blockadehaltung.

Die CDU-Fraktion im Stadtrat hat einen Änderungsantrag für das Radverkehrskonzept angekündigt. „Wir wollen, dass umsetzungsfähige Maßnahmen in den Ausschüssen und gegebenenfalls im Stadtrat beraten werden“, erklärte Gunter Thiele, verkehrspolitischer Sprecher der Christdemokraten. Das Radverkehrskonzept sehe allein in der höchsten Priorität 1 insgesamt 117 Maßnahmen vor. „Diese sind sehr unkonkret beschrieben. Wenn es dabei Auswirkungen auf andere Verkehrsteilnehmer geben sollte, muss der Stadtrat beteiligt werden“, so Thiele.

Eieiei, da hat wohl die Autofahrerlobby jede Menge Angst um ihre Straßen und schiebt Panik, bald nicht mehr jeden Tag im Stau stehen zu dürfen. Hmpf.

Abschließend aber fix noch ein weiteres Radverkehrskonzept, denn aller guten Dinge sind drei. Auch in Ahlen hat man jetzt ein solches und das sieht einige ganz positive Dinge vor. Die Versuchsweise Öffnung der Fußgängerzone für Radler ist ebenso dabei wie die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr, wobei man in letzterem Fall sogar an die Sicherheit denkt.

Um die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen, sollen in den für den Radverkehr freizugebenden Einbahnstraßen Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. Die Öffnung der Einbahnstraßen sei unverzichtbar, intervenierte Stadtbaurat Andreas Mentz, um die Durchlässigkeit des Straßensystems für Radfahrer zu erhöhen. Das sei auch bei der im vergangenen Jahr durchgeführten Bürgerversammlung zu dem Thema Konsens gewesen.

Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die örtliche CDU-Fraktion da auch mitmacht… 😉

Ach, nein. Einen hab ich noch. Auch in Neu-Isenburg ist derweil ein Radverkehrskonzept Thema für Verwaltung und Presse. Dort gibt es ein solches Konzept, allerdings geschah dann wohl nach Verabschiedung dieses Konzeptes – wie so oft – nichts weiter. Aber jetzt will man loslegen.

Im April 2015 haben die Stadtverordneten das Radverkehrskonzept für Neu-Isenburg beschlossen. “Seit dem ist nicht so viel passiert – jetzt haben wir die kurz-, mittel- und langfristigen Ziele festgesetzt”, erklärte Radverkehrs-Konzeptbeauftragte Yvonne Lammersdorf. Ziel sei es, die Radfahrer sicher in den Verkehr zu bringen und viele Schutzstreifen in der Stadt zu installieren.

Ja, richtig. Schutzstreifen. 😯

Tweet der Woche: “Pömpelradweg”

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu “verwursten”, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

Ein Gedanke zu „Ra(n)dnotizen #83

  1. Ob sich so ein Solarradweg rentiert, wenn man die graue Energie mit einbezieht?

    Leider sind die Aussagen in Radverkehrskonzepten ja leider wirklich sehr unpräzise. Das die CDU sich für Radverkehrsförderung nur interessiert, wenn es auch andere betrifft …

Kommentar verfassen