Ra(n)dnotizen #87

Angesichts immer vollerer Städte werden sie zunehmend beliebter, denn sie ermöglichen die Mitnahme in Nahverkehrsmitteln ebenso wie die Lagerung „unter dem Schreibtisch“ im Büro: Falträder. Quasi state-of-the-art sind dabei ja die Brompton-Falträder, für die es letztes Jahr beim Berliner Velothon sogar ein ganz eigenes Rennen gab. Eine ganz nette Alternative dazu, obendrein mit Elektroantrieb, habe ich hier in den Radnotizen ja auch schon mal erwähnt.

Jetzt ist mir ein weiterer, wirklich interessanter Vertreter der Gattung Faltrad üder den Weg gelaufen, das Kwiggle. Ähnlich wie auch das Mate, das über Indigogo crowdfunded wurde, handelt es sich beim Kwiggle um ein Kickstarter-Projekt. Dabei ist das Rad so klein, das man es gefaltet sogar auf Flugreisen mitnehmen könnte.

Stellen Sie sich ein Faltrad vor, das ca. 8,5 kg wiegt, in das Handgepäck eines Flugzeuges passt, in 10 Sekunden zusammengefaltet bzw. auseinandergeklappt werden kann und mit dem Sie ganz entspannt 20-25 km/h fahren können.

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Weiter geht es mit ein wenig Blutdruck, der stieg bei mir nämlich, als ich – ausgerechnet durch den FahrRat Spandau – auf ein Special zum Thema „Start in die Fahrradsaison“ bei der Stiftung Warentest aufmerksam gemacht wurde. Dort wird nämlich mal eben ganz entspannt folgende Behauptung in den Raum gestellt:

Mit Verkehrs­regeln nehmen es viele Radfahrer nicht so genau. Doch für regelwid­riges Fahren gibt’s Bußen und sogar Punkte in Flens­burg. Schlimmer noch: Bei einem Unfall drohen außer gefähr­lichen Verletzungen auch noch hohe Schaden­ersatz­forderungen.

Auf einer weiterführenden Seite wird diese Aussage dann noch wie folgt ergänzt:

[…] Selbst wer sich im Auto eng an die Regeln hält, über­fährt als Radfahrer nonchalant manches Ge- oder Verbot. […]

Nicht schlecht, für eine Organisation, die sonst eher für unabhängige Tests bekannt ist. Mal abgesehen davon, das mir deutlich weniger Autofahrer unterkommen, die sich „eng an die Regeln“ halten, als es Radfahrer tun, hat so eine pauschale Aussage auch jede Menge Krawallpotenzial. Denn wenn schon eine seriöse[sic!] Organisation feststellt, das sich Radfahrer ja nie an die Regeln halten, dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn in Diskussionen immer wieder die Mär vom bösen Kampfradler ausgebuddelt wird. 👿

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Ansonsten ist es derzeit in der Presse ja recht ruhig, allerlei kurze Berichte zu lokalen Radwegplanungen dominieren, nebenbei geht es immer mal wieder um die großspurig angekündigten Radschnellwege, die aber sicher noch einige Jahre auf sich warten lassen und es geht weiter um E-Bikes. Beinahe im Tagestakt kommen da irgendwelche Umfragen herein, von deren Ergebnissen sich die Verfasser Aussagen über eine Entwicklung des e-Bike-Marktes erhoffen.

Und so dreht sich die Szene dann selbst ganz Sommerloch-like um altbewährte Dinge. Beispielsweise das Dauerthema Fahrradhelm. So hat blog.bikemap.net gerade mal wieder diese Sache ausgebuddelt und titelt „Helmpflicht – ja oder nein? 5 Mythen zum Thema Sicherheit am Fahrrad„. Eine, wie ich finde, nicht ganz ungefährliche Headline, denn auch wenn am Ende festgestellt wird, das ein Fahrradhelm immer eine persönliche Entscheidung sein soll, zielt schon die Headline ganz offen gegen den Fahrradhelm. Und meiner bescheidenen Meinung nach, sollten derartige Publikationen bei „Sicherheitsthemen“ doch besser eine gewisse Neutralität wahren. Wirklich unterschreiben kann ich deshalb auch nur den letzten der 5 Punkte.

Wo mehr Helme, da mehr Sicherheit? Das Gegenteil ist der Fall. In den Niederlanden, Dänemark und anderen für ihre Radkultur bekannten Ländern trägt kaum einer Helm. Radfahren wird dort nicht als gefährlich empfunden, weil die Infrastruktur optimal auf das Fortbewegungsmittel Nummer 1 ausgerichtet ist. Auf den Punkt gebracht: je besser die Radinfrastruktur, desto sicherer fühlen sich die Menschen und betrachten es auch nicht für notwendig, Helme zu tragen. Fahrradhelme sind also eine Begleiterscheinung verbesserungswürdiger Fahrradinfrastruktur.

Ganz klar ist, die Fahrradinfrastruktur in Deutschland ist mehr als verbesserungswürdig, allerdings meine ich, das dies nicht wirklich dazu führt, das hierzugegend vermehrt mit Helm gefahren wird. Wer wirklich Angst im Straßenverkehr hat, wer unsicher ist, der wird eher auf den Gehweg ausweichen, denn ein Helm bewirkt ja nicht automatisch, das man dann weniger Angst vor zu dicht überholenden LKW hat.

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Eine ziemlich tolle Sache ist derweil in Düsseldorf am anrollen. Dort hat man ganz offenbar begriffen, das ein Radfahrer durch den kürzeren Abstand zur Kreuzung – er hat immerhin keine lange Motorhaube vor sich – und seine bessere audiovisuelle Wahrnehmung des Verkehrs durchaus auch nach rechts abbiegen kann, wenn die Ampel rotes Licht zeigt, sieht er doch sehr gut, ob er freie Fahrt hat. Und so prüft man nun, ob man nicht mittels Schild das Rechtsabbiegen für Radler an ausgesuchten Kreuzungen freigeben kann.

Autofahrer haben sich längst an den grünen Pfeil gewöhnt, der das Rechtsabbiegen an einer Ampel auch dann erlaubt, wenn das Rotlicht leuchtet – sofern Fahrer auf kreuzenden Verkehr achten. Nun soll es eine solche Regelung auch für Radfahrer geben. Die Politiker erhoffen sich davon nicht nur verkürzte Wartezeiten, sondern auch weniger Unfälle. Denn Radfahrer befinden sich an Ampeln häufig im toten Winkel der wartenden Kraftfahrer – und laufen damit Gefahr, von anfahrenden Fahrzeugen erfasst zu werden.

In Basel gibt es das bereits ganz offiziell und auch in München wurde schon im Januar ein solcher Versuch freigegeben, jedoch tut man hier noch immer das, was man in Deutschland am liebsten tut. Man plant… 😉

Auch in Mecklenburg wurde wohl getestet. Und zwar schon seit 2013. Schutzstreifen auf der Landstraße. Im Farbklecksen sind die Deutschen Verkehrsplaner ja ohnehin immer ganz groß, aber auf Landstraßen ist es selbst mir noch nicht untergekommen. Und das werden sie wohl auch nicht mehr, denn sie werden allesamt wieder entfernt. Auch wenn sie wohl, so berichtet Zeit.de, von Auto- und Radfahrern ganz gut angenommen wurden, sie sind im Bürokratiedeutschland nicht statthaft.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) erlaubt außerorts solche Fahrradschutzstreifen bisher nicht. Aus den Städten kennt man die Streifen schon lange, dort sind sie seit 1997 zugelassen. Um eventuelle positive Effekte solcher Streifen außerhalb von Ortschaften in ländlichen Regionen zu untersuchen, startete das Bundesverkehrsministerium 2013 den großen Modellversuch mit insgesamt 18 Teststrecken, […]. Die Ergebnisse sollten zeigen, ob die Linien auf der Fahrbahn, kombiniert mit einem reduzierten Kfz-Tempolimit von 70 km/h, den Verkehr für Radfahrer sicherer machen.

Und ich kann mir das durchaus vorstellen, denn ein wenig ausgebremster Autoverkehr in Verbindung mit farblich hervorgehobener Klarstellung, das Radfahrer durchaus auf die Fahrbahn dürfen, kann bei Fehlen straßenbegleitender Radwege durchaus auch den einen oder anderen vorsichtigeren oder ängstlicheren Radler auf die Strecke locken. Und davon profitiert, zumindest in touristisch erschlossenen Regionen, ja auch die eine oder andere Gastwirtschaft an der Strecke.

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Tweet der Woche: R.I.P. Michele Scarponi

Diesmal gibt es zum Tweet der Woche noch ein paar Zeilen zu schreiben, obendrein hat er diesmal ein recht trauriges Thema. Der frühere Giro-Sieger Michele Scarponi ist bei einer Trainingsfahrt tödlich verunglückt, als ihn ein Kleintransporter überfuhr. Solche Unfälle sind immer ein Drama, aber in diesem ganz speziellen Fall gibt es dazu noch eine echt rührende Geschichte. Michele Scarponi hatte nämlich auf seinen Trainingsfahrten öfter mal einen bunten Begleiter, der Papagei Frankje.

“Wir machten vor ein paar Jahren Bekanntschaft. Ich fand es seltsam, einen solchen Vogel in dieser Gegend von Italien zu sehen. Dann begann er, mir zu folgen. Zuerst machte ich mir Sorgen, weil ich nicht wusste, ob er mich angreifen würde. Aber bald setzte er sich auf meine Schulter und wir wurden Freunde.”

Und eben dieser Papagei namens Frankje wurde nun an der Unglücksstelle gesichtet, wie er dort von seinem radelnden Freund Abschied nahm.

Übersetzung: Frankje wartet auf sein Herrchen/seinen Freund… Ich habe noch nie in meinem Leben so ein trauriges Bild gesehen.

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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