Ra(n)dnotizen #88

In Berlin-Kreuzberg läuft ja schon seit letztem Dezember eine Aktion, die tatsächlich begrüßenswert ist. Und die gern auch bundesweit Schule machen darf. Es werden, an drei ausgesuchten Straßen, Radwegparker konsequent umgesetzt.

Erkämpft hat die Sonderaktion der Polizei ein einzelner Bürger: Andreas Schwiede, vielen als Falschparkeraktivist bekannt (auf Twitter als @poliauwei unterwegs). Gerasch spricht von einem „Abkommen“ mit Schwiede. Ausgewählt wurde die Ecke Duden-/Katzbachstraße und Großbeerenstraße, weil dort vermutlich meist Anwohner die Radstreifen als Parkplatz missbrauchen. Ziel der auf einige Monate befristeten Aktion sei es, einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, sagt Polizeidirektor Gerasch. Sprich: Wer einmal die hohen Abschleppkosten zahlen musste, parkt beim nächsten Mal korrekt.

Normalerweise wimmelt die Polizei bei entsprechenden Meldungen ja gern ab, da für den ruhenden Verkehr die Ordnungsämter zuständig sind. Was im Fall zugeparkter Radwege jedoch falsch ist, denn ein zugeparkter Radweg stellt eine Verkehrsgefährdung dar, deren Beseitigung tatsächlich in der Zuständigkeit der Polizei liegt.

In Zusammenarbeit mit Andreas Schwiede hat die Aktion “Autofreies Kreuzberg” nun auch eine Anleitung veröffentlicht, mit deren Hilfe jedermann – ein wenig Zeit vorausgesetzt – Radwegparker auch auf “seinem” Radweg umsetzen lassen kann. Neben den benötigten Triggerworten, die beim Polizeinotruf auf Band kommen und den Notrufmitarbeiter quasi zum Handeln zwingen, gibt es auch gleich noch diverse Tipps, mit welchen Argumenten man Polizeibeamten vor Ort nachhelfen kann, wenn diese sich weigern, den Radwegparker umsetzen zu lassen.

Manchmal weigert sich der/die Streifenbeamte, die Verkehrsbehinderung zu beseitigen. Hier die häufigsten “Argumente” und die Antwort darauf. Wichtig: immer sachlich bleiben! Alle Verkehrsteilnehmer haben einen Anspruch darauf, dass eine Behinderung von der Polizei beseitigt und nicht nur mit einem viel zu billigen Knöllchen bestraft wird!

Ziemlich genial ist dabei auch, so passend zum Thema zugeparkte Radwege, eine Galerie, die man auf der Webseite des Berliner Tagesspiegel findet. Darin werden Leserfotos von eben solchen Radwegparkern veröffentlicht. Neben Radwegparkern findet man dort auch noch allerlei andere Radwegprobleme, vom Wurzelaufbruch bis zur Baustellenkatastrophe. Es lohnt sich also, da mal ein wenig durchzuklicken.

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Den Vogel so richtig abgeschossen hat in der vorletzten Woche die Polizei im Rhein-Erft-Kreis. Die hat nämlich eine Kontrollwoche zur Bekämpfung von Verkehrsunfällen mit Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrerinnen durchgeführt. Nun denkt sich der geneigte Leser sicherlich, das man in besagter Kontrollwoche sicher verstärkt darauf geachtet hat, das Autofahrer beim Überholen korrekte Sicherheitsabstände einhalten, das Kraftfahrer beim Abbiegen besondere Vorsicht walten lassen und das LKW-Fahrer ihren ohnehin schon recht knappen Sichtraum nicht mit überflüssigem Tand zugehängt haben. Eben die Hauptgründe für “Verkehrsunfälle mit Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrerinnen”. Aber weit gefehlt!

Die Kontrollen fanden kreisweit an Verkehrsknoten mit hohem Radfahraufkommen statt. Den Fokus richteten die Polizeibeamtinnen und -beamten auf das richtige Verhalten von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern und den verkehrssicheren Zustand der Fahrräder.

Ja nee, is klar! Da hilft dann auch die Aussage nicht weiter, das man ja nebenher auch auf das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer gegenüber Radfahrern geachtet habe. Die Hauptursachen für schwere Unfälle, die immer wieder zu getöteten Radfahrern führen, scheinen in den Augen der Polizei im Rhein-Erft-Kreis eben eher fehlende Fahrradklingeln und linksseitig benutzte Radwege zu sein.

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Ganz nette Dinge hingegen hört man aus Papenburg. Auch wenn es etwas spät kommt, das entsprechende Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes stammt immerhin aus dem Jahr 2009, werden dort nun etliche Radwege ihres Lollies entledigt, sprich, die Benutzungspflicht wird aufgehoben.

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Anfang Mai, genaugenommen am 02.05., war dann noch die inzwischen 7. Parlamentarische Fahrradtour. Die ersten 6 sind dabei irgendwie vollkommen an mir vorbei gegangen, zumindest habe ich sie nicht wirklich wahrgenommen. Okay, auch diesmal habe ich es nicht bewusst mitbekommen, aber durch die Presse wurde ich darauf aufmerksam gemacht.

Grundsätzlich mag das ja sogar eine nette Idee sein, Parlamentarier radeln durch Berlin und erleben dabei, wie es sich anfühlt. Nur fehlt mir irgendwie der Glaube, das alle 150 Teilnehmer tatsächlich so fahren mussten, wie es der kleine Mann täglich tun muss. Über unzumutbare Radwege, irgendwo jenseits von Gut und Böse oder unter massiven Angriffen durch Autofahrer. Hier ging es wahrscheinlich schön im Schutz einer Polizeieskorte durch Berlin.

Die Tour führte Richtung Schöneberg und dann in einer großen Schleife zurück zur Mitte Berlins. Zwischenstopp machte die Tour am Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ). Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner empfing hier die Teilnehmer mit Informationen zum Ausbau des Radwegenetzes in Berlin. Der Werkbericht schilderte den Stand der Planungen für Korridore, die auf ihre Realisierbarkeit hin untersucht werden sollen.

Nur ein Gutes hatte die Sache wohl, denn die Damen und Herren Parlamentarier durften sich E-Bikes für diese Tour ausleihen und haben dadurch sicher gemerkt, das die in der Großstadt tasächlich eine echte Alternative zum Automobil darstellen. Und dann fällt es ihnen vielleicht ein Stück leichter, bei strittigen Punkten auch mal eher für den Radverkehr zu entscheiden. Wer weiß… 🙄

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Das Thema Fahrradstraßen hatten wir hier ja auch schon ein paar Mal, unter anderem wurde dabei die Berliner Prinzregentenstraße erwähnt, auf der man besser nicht mit dem Fahrrad fährt, da sie wie selbstverständlich von PKW genutzt wird, die dabei auch gern jegliche Rücksicht auf Radfahrer vermissen lassen. Und zu genau dieser Straße hat das Netzwerk Fahrradfreundliches Charlottenburg-Wilmersdorf neulich bei Facebook ein Video gepostet, das ganz eindrucksvoll zeigt, was da so abgeht.

Unglaublich, oder? Da kann man gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte. Aber ehrlich! Und genau diese Ignoranz sollte man sich vor Augen halten, wenn es mal wieder heißt, die “bösen, bösen Radelrambos” fahren immer bei rot und halten sich auch sonst an keine Verkehrsregel. Denn mit einem Versehen kann man dieses Verhalten ganz sicher nicht mehr erklären. Das ist – ähnlich wie die obligatorischen 10 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung – schon Vorsatz. 👿

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Dann hat sich über die Facebookseite der Radnotizen Thomas M. Claßen bei mir gemeldet. Er ist unter anderem Autor und hat einen Krimi geschrieben, in dem Fahrräder eine zentrale Rolle spielen. Und da ich selbst ja auch Leseratte vor dem Herrn bin, war es mir eine ganz besondere Freude, ein Rezensionsexemplar seines Buches “Felgenkiller” (bei Amazon für 12 Euro zu haben, leider nur in der Papierform und nicht als Ebook) zugesandt zu bekommen. Dieses Buch werde ich nun die Tage lesen und dann wird es hier im Blog eine ausführliche Rezension dazu geben.

Tweet der Woche: Bootsliegeplatz

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu “verwursten”, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

2 Gedanken zu „Ra(n)dnotizen #88

    1. Schon klar, lokale Gesetze müssen da durchaus beachtet werden. Ansonsten ist so eine Auseinandersetzung zumeist einfacher und angenehmer als man landläufig denkt. Denn solange man freundlich und sachlich bleibt, bleiben es die Polizisten für gewöhnlich auch. 🙂

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