Ra(n)dnotizen #90

Eins gleich vorab: Die Leipziger neuseenclassics stehen vor der Tür bzw. fanden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Ra(n)dnotizen schon statt. Ich mittendrin und somit ist die freie Zeit in dieser Woche vornehmlich fürs Training reserviert. Man möge mir also verzeihen, das es diesmal etwas knapper wird. 🙂

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Jawoll, es geht doch. In Berlin-Kreuzberg ist gerade ein Logistikunternehmen dabei sich zu etablieren, das auf Cargobikes setzt. Dicke Dreiräder mit Elektrounterstützung ermöglichen es dabei, bis zu 250 Kilogramm Ladung zu transportieren. Ich rede ja schon lange davon, das es innerstädtisch Unfug ist, alle Transporte mit Transportern oder gar LKW zu erledigen. Alles was über wirklich große Lasten hinaus geht, schafft so ein Cargobike viel besser. Und es ist vor allem auf die kleinen Mengen zu transportierender Güter zugeschnitten, von denen wir in der Stadt reden.

Warenverteilung, Internethandel: Das sind wachsende Logistikbereiche, die den Städten immer mehr Verkehr bescheren, immer mehr Schadstoffe in der Luft, zugeparkte Fahrbahnen und Radfahrstreifen. Bei Twitter dokumentieren Fahrradaktivisten Regelverstöße von Lieferdiensten, ein Hashtag heißt #DHLillegal. „Für viele Unternehmen heißt Logistik, immer mit dem größtmöglichen Fahrzeug unterwegs zu sein. Für uns heißt Logistik, immer das passende Fahrzeug einzusetzen“, sagt Seißler. „Wir kommen überall durch und überall hin, auch in enge Gewerbehöfe, in deren Zufahrten Lkw stecken bleiben können. Wir parken keine Radfahrstreifen zu, wir belasten die Stadt nicht mit Lärm und Abgasen.“

Und sowieso ist Berlin dieses Jahr im Zeichen des Cargobikes. Es fiel schon letztes und dieses Jahr auf der VeloBerlin auf, das auf der Messe zunehmend Transporter gezeigt wurden, jetzt kommt noch eine Messe hinzu, die sich nun voll und ganz auf Cargobikes konzentriert. Am 10. Juni 2017 wird dazu auf dem Gelände der alten Malzfabrik in Schöneberg die CargoBike Berlin stattfinden, eine Messe ausschließlich für Lastenräder.

Cool ist dabei allein die Location. Ähnlich wie in Düsseldorf, wo die diesjährige Cyclingworld in den alten Schmiedehallen auf dem Areal Böhler stattfand. Da fand ich die Location allein spannend genug, das ich extra für diese Messe von Berlin nach Düsseldorf gejettet bin. Und bei dieser Gelegenheit fällt mir doch glatt ein, das ich komplett verpennt habe, hier im Blog von dieser Messe zu berichten. Hups. 😳

Die Cyclingworld 2017 im Düsseldorfer Areal Böhler

Aber falls jemand Bilder gucken mag, bitte hier entlang.

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Das alle paar Tage jemand im die Ecke kommt, der das Rad neu erfinden möchte, haben wir ja letzte Woche schon gehabt. Manch einer ist da „bescheidener“ und meint, das er lediglich den Antrieb neu erfinden kann. Und es auch getan hat. Ich selbst bin dabei ja recht skeptisch, allerdings habe ich bisher auch noch nie die Gelegenheit gehabt es mal selbst zu testen. Die Rede ist vom cyfly. Dieser Antrieb soll, so der Hersteller Möve-Bikes, ein 33% höheres Drehmoment erzeugen und damit quasi den Antrieb eines Fahrrades revolutionieren.

cyfly ist ein zum Patent angemeldeter, rein mechanischer Fahrradantrieb, der ausschließlich durch Muskelkraft betrieben wird. Bei dieser neuartigen Konstruktion wirken Zahnräder und Hebel optimal in einer Art „Mehrgelenk-Kurbel“ zusammen.

Ein wirklicher Nachteil ist, das man diesen Antrieb nicht mal eben nachrüsten kann, er ist nur zusammen mit einigen „Premiumrädern“ – was auch immer der Hersteller damit meint – zu haben. Ich vermute mal, allein das wird ausreichen, das sich dieses KOnzept nicht weiter durchsetzt.

Bleiben wir bei Erfindungen. Eine recht seltsame ist mir demletzt untergekommen. Die Rede ist dabei von der „weltweit ersten Freisprecheinrichtung für das Fahrrad“. Das klingt natürlich erstmal richtig toll, bis man dann sieht, um was es dabei tatsächlich geht. Es ist nämlich nicht viel mehr als eine Art „Muschel“, die den Handylautsprecher pseudoverstärkt und das Handymikrofon vom Fahrtwind fernhält.

Das (Oder die? Oder der?) CESAcruise ist dabei für 60 Tacken in vier Farben erhältlich. Allerdings fehlt mir der Glaube, das dieses Ding tatsächlich viele Abnehmer findet, denn es sieht nicht wirklich gut aus und ich zweifle doch arg an der Funktion. Auch wenn der Hersteller von „deutlichem Verstehen der Navigationsansagen durch Soundverstärkung“ oder „Musik hören bei 3facher analoger Soundverstärkung“ spricht. Bei Youtube gibt es dann noch ein Video zu diesem Ding, aber das lässt nicht wirklich einen Blick auf die tatsächliche Funktion zu. Es ist einfach nur eine Art Trailer ohne wirkliche Botschaft.

Da finde ich eine andere Geschichte viel interessanter bzw. innovativer. Das Litelok. Ein Fahrradschloss, das sehr leicht, flexibel und trotzdem sehr sicher sein soll. Auch hier gibt es das übliche Produktvideo, aber anders als beim CESAcruise kann man hier auch wirklich sehen, wie alles funktioniert. Und tatsächlich, es macht auf den ersten Blick einen ganz brauchbaren Eindruck, denn gerade wenn man viel in der Stadt unterwegs ist, braucht man eine leichte Sicherheitslösung.

Was mich, zumindest aus der Ferne, also ohne das DIng tatsächlich in der Hand gehabt zu haben, stört, ist die Größe. Der Schließmechanismus wirkt ja recht dick, das Schloss selbst hingegen ein wenig zu kurz. Da ist nix mit „mal eben das Bike an die Laterne ketten“.

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Verkehrsplanung ist ja immer so eine Sache, insbesondere dann, wenn nur begrenzte finanzielle Mittel verfügbar sind. Und so kommt es dann durchaus mal vor, das bei bestimmten Bauvorhaben erst der eine Teil, später dann der andere gebaut wird. So ist es bspw. auch bei Osterode, wo man zuerst die Brücke für den Radweg baute, und jetzt noch den Radweg bauen müsste.

An der für Radler sehr gefährlichen Teilstrecke zwischen Osterode-Beierfelde und Schwiegershausen steht da schon seit Monaten eine Brücke so in der Landschaft herum und wartet auf den zugehörigen Radweg, der schon seit vielen Jahren geplant ist…

Zu diesem, zugegeben recht kurzen, Leserbrief im Harzkurier gibt es auch ein Foto. Ein Foto, bei dem man nicht so sicher sagen kann, ob man weinen oder lachen soll.

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Dann bin ich demletzt noch über ein Video gestolpert, das ich euch hier keineswegs vorenthalten will. Dieser „Gangster-Rap“ ist zwar nicht so mein Ding, aus meiner Jugend sind mir da noch eher die Anfänge des HipHop geläufig, aber das hier ist schon eine witzige Sache. Und außerdem sind aller guten Dinge ohnehin drei und bisher hatten wir ja erst zwei Videos. 😉

Tweet der Woche: Radeln in den Zwanzigern

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

One thought to “Ra(n)dnotizen #90”

  1. Hallo Schrottie, ich habe selbst ein Litelock und bin nach wie vor sehr zufrieden damit. Die ersten gibt es schon für 20€ auf amazon, Ich habe mich aber für ein etwas teureres entschieden. Mein MTB soll schließlich vernünftig geschützt sein :). Aber für alle die noch am Überlegen sind: Ich kann es empfehlen, es ist leicht und schnell verstaut.
    LG

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