Ra(n)dnotizen #92

Es gibt ihn tatsächlich, den Radfahrer den auch die Autofahrer lieben. Okay, lieben ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber es gibt Momente, in denen sie ihm wirklich dankbar sind. Die Rede ist dabei von einem Vertreter der wohl größten Lobbyvereinigung der Autofahrer, dem ADAC. Ja, richtig gehört. Der ADAC hat erkannt, das in Großstädten jede Menge Stau ist und das da zumeist, ebenfalls richtig, Autos drin stehen.

Das bringt natürlich Probleme mit sich, wenn man nun zu seinen liegengebliebenen Mitgliedern muss, um denen vertragsgemäß weiterzuhelfen. Und was sagt sich der ADAC da? Setzen wir unsere gelben Engel doch einfach aufs Fahrrad. Damit kommen die doch viel besser durch den Verkehr und somit viel schneller ans Ziel.

Klingt alles ganz schön, wird aber selbstredend auch wieder relativiert. Gerade mal drei davon sind in Berlin unterwegs. Bei insgesamt 100 Straßenwachtfahrern. Und auch nicht immer, denn wasserscheu sind die gelben Engel auch ein wenig. Dirk Nießl, einer der gelben Radelengel wurde nämlich vom Tagesspiegel begleitet und erzählt dabei von der Wetterproblematik:

Heute früh hat Nießl seins [das Dienstpedelec, Anm.d.Red.] aus der Garage in Charlottenburg geholt, in der auch der Van parkt, den er zur Verfügung hätte. „Das war meine Bedingung, um mitzumachen“, sagt Nießl. „Damit ich nicht einregnen muss, weil die Zentrale in München morgens gesagt hat, das Wetter ist schön.“

Naja, es bleiben dann eben doch Autofahrer. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht und manchmal ist ja selbst der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, und nichts anderes ist dieser Umweltaktionismus des ADAC, eine feine Sache.

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Im Dutzend billiger! Genau das geht mir irgendwie immer durch den Kopf, wenn ich sehe, wie in letzter Zeit so lustige Rückspiegel an Fahrrädern wachsen. Besonders am Wochenende, wenn viele Leute das schöne Wetter nutzen und mit dem Bike eine Runde drehen, dann sieht man sie allenorten. Und mal ehrlich, die Dinger sind die Pest!

Denn nicht nur, das sie ganz offenbar nicht genutzt werden – es sind vornehmlich die „Spiegelfahrer“, die ohne in ihren ach so tollen Spiegel zu blicken mal eben nach links ziehen und einen überholenden Radler damit ganz locker von der Bahn fegen – sie rauben auch Platz. Denn als Faustformel gilt wohl, je schmaler der Radweg desto weiter muss der Spiegel nach links herausragen. Schließlich muss überholen ja ganz wirkungsvoll verhindert werden.

In entsprechenden Diskussionen bei Facebook wurde mir immer wieder erzählt, was für ein toller Sicherheitsgewinn so ein Spiegel doch sei. Nun, bisher konnte ich ausschließlich das genaue Gegenteil davon erleben und nachvollziehen. Allerdings hält Facebook neben solchen Diskussionen natürlich auch Lösungen parat, denn eben bei Facebook kam mir das Ding hier unter:

Und das Ding ist doch die Lösung für alle Spiegelliebhaber. Das Teil stört nämlich niemanden, es verbaut keine Überholmöglichkeiten, gefährdet keine Fußgänger, man bleibt damit nicht hängen und trotzdem hat man einen Spiegel. Mit dem man wahrscheinlich genauso wenig sieht wie mit einem dieser fest montierten Teile. Aber ganz offensichtlich ist es ja ohnehin wohl eher eine rein gefühlte Sicherheit. 😉

Und dann ist da gleich noch ein witziges Fundstück aus Facebook. Wer das gesehen hat, der hat dann vermutlich alles gesehen: Ein Faltrennrad. Und nicht nur irgendwas simples, sondern ein richtig gut ausgestattetes. Immerhin werkelt da eine Ultegra im Antrieb.


 
Naja, wo wir jetzt ohnehin schon bei innovativen Dingen und Erfindungen sind, einen hab ich noch. Nach einmal überflüssig und einmal echt witzig kommt jetzt sozusagen noch ein „Watzefack!?“ hinterher. Es geht dabei um eine derzeit laufende Kickstarterkampagne, bei der ein Gerät finanziert werden soll, das aus einem gewöhnlichen Helm einen Smart-Helm macht.

Richtig gehört, einen Smart-Helm. Dazu wird ein nicht unbedingt formschönes oder stylisches Dingsbums an den Helm gepappt. Das hat zwei Mikrofone und einen Vibrator dabei, letzterer soll dann Töne quasi als Körperschall übertragen. Das Ganze soll dann als Freisprecheinrichtung, Navigationssystem, uswusf. dienen. Aber seht selbst:

Vermutlich ist das wie üblich reine Geschmackssache. Ich selbst würde sowas wohl eher nie bis niemals an meinen Helm pappen, andere hingegen nutzen ja auch Rückspiegel und dann vielleicht auch sowas.* 😉

* Los, ein bisschen sticheln ist erlaubt! Gnihihi!

Vielen Dank übrigens an Oliver R. aus B. an der S. für den sachdienlichen Hinweis zum Smarthelm!

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Themawechsel. Mal wieder ganz und gar nicht verstanden haben es die Wiesbadener Einzelhändler. Denn sie argumentieren aktuell ganz im O-Ton von CDU, ADAC und ähnlichem, das es doch ein fataler Fehler wäre, im Rahmen der Verkehrswende Parkplätze zugunsten des Radverkehrs zu opfern.

Wer in massiver Weise Pkw aus der City verdrängen wolle und weiteren Parkraum zugunsten von Radverkehr opfere, erschwere Kunden und allen anderen Interessierten den Zugang zur Innenstadt, klagt der Handelsverband. Eine einseitig ausgerichtete Verkehrspolitik gefährde den Standort Wiesbaden im Ballungsraum Rhein-Main und die Infrastruktur vor Ort, für die Handel, Gastronomie und andere Dienstleister das Herzstück bilden.

Als würden die Parkplätze tatsächlich vorrangig von Autofahrern genutzt, die darauf nur ganz kurz halten, weil sie im Vorbeifahren etwas interessantes im Schaufenster gesehen haben. Das aber gerade Fußgänger und Radfahrer die wirkliche Laufkundschaft sind, also quasi diejenigen, die ihr Geld auch mal weniger gezielt in den Laden tragen, das verkennen die Einzelhändler. Wobei ich ja eher die Vermutung habe, das sie die Parkplätze eher selbst nutzen und nun feststellen, das sie bei Wegfall der Parkflächen nicht mehr bis direkt vor die Ladentür fahren können.

Darüber hinaus scheint auch der Siegeszug des E-Cargobikes kaum mehr aufzuhalten zu sein. Nicht nur, das wie oben erwähnt inzwischen selbst der ADAC auf solche Vehikel setzt, auch in Sachen Verkaufszahlen gibt es inzwischen einen klaren Trend. So wurden nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) im Jahr 2016 mehr E-Lastenräder als E-Autos verkauft.

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) veröffentlichte zu seinen im März vorgelegten Verkaufszahlen für 2016 erstmals auch eine Marktschätzung für elektrisch betriebene Lastenräder. Darauf hat der Berliner Lastenrad-Experte Arne Behrensen auf seinem Portal „Cargobike jetzt“ aufmerksam gemacht. Den Zahlen zufolge wurden im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 15.000 E-Lastenräder verkauft – deutlich mehr als die 11.400 neu zugelassenen Elektroautos.

Zugegeben, Elektroautomobile sind eine eher unbrauchbare Vergleichsgröße, denn hier ist es weniger der Wille, denn die Infrastruktur oder besser deren Fehlen, was die Verkaufszahlen niedrig hält. Aber dennoch ist das schon eine echte Hausnummer und wenn die Politik nicht damit beginnt, auf eine nutzbare Infrastruktur für Elektroautos zu drängen, bspw. an jeder Laterne eine Lademöglichkeit o.ä., dann bleibt eben das praktisch auch in der Mietwohnung aufladbare E-Cargobike das Mittel der Wahl um in der Stadt ganz bequem Lasten zu transportieren.

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Dann noch etwas ganz wichtiges, betrifft es doch fast jeden Radfahrer. Zum 01.06.2017 wurde Straßenverkehrs-Zulassungsordung (StVZO) geändert und dabei gab es einige Anpassungen in den Beleuchtungsvorschriften für Fahrräder.

  • Fahrradscheinwerfer dürfen nun ausdrücklich mit Tagfahrlicht und Fernlicht ausgestattet sein. Rückleuchten dürfen eine Bremslicht-Funktion haben. Sie können mit einem Dynamo, Batterien oder wiederaufladbaren Akkus betrieben werden.
  • Batteriebeleuchtung muss nun nicht mehr tagsüber mitgeführt werden.
  • Bislang waren zwei rote Reflektoren hinten vorgeschrieben, jetzt ist einer ausreichend.
  • Bei zweispurigen Fahrrädern sind zudem Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker) zulässig, bei einspurigen Fahrädern nur, wenn sie einen Aufbau haben, der Handzeichen verdeckt.

Mir persönlich gefallen ja die ersten beiden Punkte am besten, immerhin nutze ich als Rücklicht das Lupine Rotlicht, das eine integrierte Bremslichtfunktion hat und da ich mit dem Rennrad eher tagsüber fahre, brauche ich nun nicht mehr ständig das ganze Leuchtgeraffel mitschleppen. Passt also. 🙂

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Okay, zum Abschluß noch eine Kleinigkeit zum schmunzeln. Benedikt E. (29) aus Berlin verkauft sein Fahrrad. Soweit ist das nichts sonderlich spektakuläres, bis man den Grund dafür hört. DA hat doch eine hundsgemeine Spinne ihre Eier (vermutlich) in der Klingel des Radels gelegt und plötzlich hingen hunderte Minispinnen am Lenker. 😯

Und so ist war das Klapprad jetzt bei Ebay-Kleinanzeigen zu haben:

Verkaufe das abgebildete Fahrrad. Es ist in Alt-Treptow angeschlossen. Als ich es gestern mir nach Hause nehmen wollte habe ich festgestellt, dass in der Zwischenzeit ein Spinnenei geschlüpft sein muss und das Rad innerhalb von wenigen Stunden von Babyspinnen besiedelt wurde. Die Spinnen sind nicht giftig, aber ich mag sie nicht und gebe deshalb das Fahrrad inklusive Spinnenkolonie an Selbstabholer ab. Das Licht funktioniert nicht und am Schutzblech hinten fehlt eine Schraube. Das Vorderrad eiert ein bisschen, lässt sich aber noch gut fahren.

Tweet der Woche: Sprachlos

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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