Ra(n)dnotizen #97

Als regelmäßiger Radfahrer in einer Großstadt meint man ja für gewöhnlich, alles schon erlebt oder gesehen zu haben. Aber was sich man aktuell im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach macht, hat schon gewissen Kronencharakter. So vong aufsetzen her. An der Fraport Arena sind Parkplätze recht knapp, da man bei deren Planung einfach zu vergessen haben scheint, das die Besucher dieser Sportstätte ja oft auch mit dem PKW anreisen.

Und während bspw. hier in Berlin die PKW wie selbstverständlich die Radwege als Parkplätze für sich beanspruchen, ist es in Frankfurt nun – zumindest zeitweise – gestattet. In der Tat hat man dort Zeichen 315 aufgestellt und mal eben ein „auf dem Radweg“ darunter gepappt. Das ist schon so frech, das hier selbst der ADAC, sonst ja zu jeder Schandtat bereit, solange sie nur seinen Mitgliedern zu freier Fahrt verhilft, an der Rechtmäßigkeit zweifelt:

„Unsere Juristen können die Zeichenkombination nicht ganz nachvollziehen, weil durch das Zeichen 315 das Parken auf einem Gehweg erlaubt werden kann, nicht aber auf Radwegen oder wie hier auf Radfahrstreifen“, sagt ADAC-Sprecherin Katrin Müllenbach-Schlimm. Ein weiterer Kritikpunkt: Der Hinweis „Auf dem Radweg“ ist kein offizielles Zusatzzeichen, das die Straßenverkehrsordnung so kennt.

Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, der den Verkehrsjuristen des ADAC bitter aufstößt: Bei angelegten Radfahrstreifen besteht für Radfahrer wegen des Rechtsfahrgebots Benutzungspflicht. „Dieser könnten die Radfahrer nicht entsprechen, so dass die Kombination nicht zulässig sein dürfte“, urteilt Müllenbach-Schlimme.

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Dann war da noch die Tour de France. Kaum ist sie vorbei gehen auch wieder die üblichen Dopingdiskussionen los. Irgendwie wundert es nicht, stehen die viele überführte Dopingsünder jetzt als „Experten“ vor den Kameras der Tourberichterstattung, was ja auch irgendwie ein schön weiches Polster ist, in das sie gefallen sind. Einzig der Großmeister des organisierten Sportbetrugs, Lance Armstrong, durfte nicht mitspielen. Als Personan non grata blieb er zu Hause, was ihn aber wohl nicht davon abhielt, einen dem Vernehmen nach recht erfolgreichen Tour Videopodcast zu machen.

Wie dem auch sei, nun laufen sie wieder die Dopingdiskussionen. Ich selbst war inzwischen bereit, auch wirklich an einen sauberen Sport zu glauben und habe dieses Jahr sogar einmal in die Tour reingezappt. Allerdings ist dieser Glaube inzwischen auch wieder hin. Was aber im Rahmen dieser Diskussionen wieder ganz heftig hochkocht, ist das Thema Doping im Hobbyradsport.

Ich hatte ja es ja schon vor einem Jahr als Thema und jedoch ging es damals noch um ein wenig Schummelei bei Strava oder ein paar Ibuprofentabletten gegen schmerzende Muskeln. Inzwischen scheint das aber Ausmaße anzunehmen, die sich mir irgendwie kaum mehr erschließen. Wieder einmal hat sich radsport-rennrad.de des Themas angenommen und zeigt dabei auf, das derweil auch richtig wirkungsvolle Substanzen eingeworfen werden.

Studien zufolge greifen schon jetzt mindestens 200.000 Breitensportler in Deutschland regelmäßig zu leistungssteigernden verbotenen Mitteln. Schlimmer noch: Mindestens zehn Prozent der deutschen Schüler, von der Grundschule bis zum Gymnasium, verfügen über ausgeprägte Dopingerfahrungen. Jeder fünfte 17-Jährige kennt Jemanden, der Steroide benutzt oder benutzt hat. 30 Prozent der Verwender von anabolen Steroiden in Norwegen beginnen laut einer Studie der Universität Bergen vor dem 21. Lebensjahr.

Unglaublich, denn hey, wir reden hier von Breitensport. Wollen die einfach nur als erste die Finishermedaille umgehängt bekommen? Oder geht es darum, als erster im Duschbereich zu sein? Denn mal ehrlich, die Platzierungslisten schauen sich doch ohnehin nur die Teilnehmer an und jeder schaut dort nur nach seinem eigenen Namen, vielleicht noch nach dem einen oder anderen Bekannten. Wer da gewonnen hat interessiert doch keine Sau.

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Weiter geht es mit dem aktuellen Dauerbrenner: Pedelecs. Nicht nur, das die DInger sich derzeit wie geschnitten Brot verkaufen, auch die Meldungen zu Pedelecs könnten unterschiedlicher nicht sein. Während der Merkur meint, dass Pedelec-Fahrer gefährlich leben

Fahrradunfälle gingen dagegen seltener tödlich aus. Im Schnitt starb bei jedem 234. Radunfall mit Personenschaden ein Mensch – 331 Tote bei einer Gesamtzahl von 77 373 solchen Unfällen. „Wir haben für drei volle Jahre von 2014 bis 2016 inzwischen genaue Unfallzahlen“, sagt Allianz-Unfallforscher Kubitzki. „Und da wird statistisch deutlich, dass im Vergleich zum herkömmlichen Rad die Pedelecs auffällig sind.“

…lässt RP Online einfach mal jemanden reden der sich auskennt und kommt dabei auf etwas ganz anderes.

„Die Unfallquote ist nicht gestiegen, dennoch wollen wir präventiv vorsorgen“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Wollziefer. So gab es 2014 in Düsseldorf 16 Unfälle mit Pedelecs, neun davon mit Beteiligung von Senioren. Ein Jahr später verunglückten 17 Radfahrer (acht Senioren), und 2016 waren es 16 (acht Senioren). Darunter befindet sich 2016 und 2017 jeweils ein Unfall mit Todesfolge. „Das hat allerdings nichts mit den Pedelecs zu tun. Ein Opfer wurde von einem unachtsamen Fahrer erfasst, das andere Opfer hat sich bei einer Straßenüberquerung nicht umgeschaut.“

So aus dem Bauch heraus schließe ich mich direkt mal RP Online an. Zugegeben, ich selbst bin ein versierter Radfahrer und habe auch keinerlei Angst auf der Fahrbahn zu fahren, deshalb dürfte ich wohl einiges auch zu locker sehen, aber wenn ich selbst mit dem Pedelec unterwegs bin, dann sehe ich da so rein gefährdungstechnisch keinen Unterschied zum normalen Fahrrad. Autofahrer fahren deshalb nicht dichter, aber auch nicht weiter an einem vorbei und abbiegende LKW sind mit beiden Rädern ein enormes Problem.

Ach übrigens, die Berliner Zeitung hat die Pressemeldung der Allianz ebenfalls einfach so übernommen. Also leben Pedelec-Fahrer wohl doch gefährlich. 😉

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Schon im Mai lief im WDR bei Planet Wissen eine ganz nett gemachte Sendung zum Thema Fahrrad fahren in der Stadt. Zur Abwechslung wird da tatsächlich mal richtig gut berichtet, so bleibt nur zu hoffen, das sich auch mal der eine oder andere Autofahrer diese Sendung anschaut. Das könnte sicher dabei helfen, ein wenig Verständnis zu schaffen.

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Abschließend noch ein Thema, das ich bisher so überhaupt nicht im Fokus hatte. Derzeit läuft in Berlin, initiiert von der Initiative Volksentscheid Fahrrad, die Aktion #Automacho. Dabei geht es darum, auf aggrssives Verhalten, insbesondere auch Frauen gegenüber, aufmerksam zu machen.

Ich selbst kenne Beleidigungen zu Hauf, habe mir aber inzwischen ein recht dickes Fell zugelegt und bin gegenüber Hupen und Beleidigen weitgehend immun. Sollen sich die kleinen Rumpelstielzchen doch aufregen wie sie wollen, hoch geht lediglich deen Blutdruck, meiner bleibt normal. Was mir aber – logisch – komplett unbekannt ist, sind sexistische Beleidigungen. Befasst man sich jedoch ein wenig mit dem Thema, dann scheint das in der Tat ein recht großes Problem zu sein.

Und während die einen sagen, das ein Arschloch eben ein Arschloch ist, egal ob es zu einem Mann Vollidiot oder zur Frau Schlampe sagt, stellen die anderen fest, das gerade gegenüber Frauen die „Beleidigungsschwelle“ deutlich tiefer hängt. Klar, bei Männern scheint die Angst im Raum zu stehen, das die bei der nächsten Ampel mal an die Tür klopfen. Oder gleich durch die Scheibe schlagen.

Die ganze Sache läuft übrigens als Petition auf change.org und richtet sich vornehmlich an den Berliner Senat. Der hat allerdings, wie man es von ihm gewohnt ist, bisher nicht weiter darauf regiert.

Die Radaktivistinnen richten sich mit einer Petition bewusst an den Berliner Bürgermeister Michael Müller und weitere männliche Spitzenpolitiker in Berlin, um das Thema auf die Tagesordnung zu bringen und eine öffentliche Stellungnahme zu erreichen. „Bislang gab es noch keinerlei Reaktion von Seiten des Landes Berlin“, sagt Kerstin Stark.

Tweet der Woche: „Lastenrad“

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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