Schattenseiten

Das Geocaching nicht nur Spaß und Freude bereitet ist mittlerweile recht klar geworden, vielerlei negative Presse gab es in letzter Zeit zu diesem Thema, teils berechtigt, größtenteils aber unberechtigt. Nichtsdestotrotz gibt es sie, die wirklich enorm ungünstig gelegenen Caches. An so einem (GC1RRE9) kam ich gestern vorbei.

Schon vorab rechnete ich nicht wirklich mit einem Fund, der letzte liegt über einen Monat zurück und seither kam lediglich ein einziger DNF herein, der aber schon zum Teil die aktuelle Lage beschreibt. Der Cache ist nämlich nicht allein…

Er befindet sich an einem Tümpel, der wirklich idyllisch gelegen ist. Also eigentlich ein Plätzchen, das man gerne auch anderen zeigen möchte. Vor Ort zeigte sich, das die Koordinaten auf einen alten, arg vertrockneten Baumstumpf zeigten, die nähere Umgebung ließ auch keinen Zweifel daran, das es sichbeim Baumstumpf um das Versteck handelt. Bereits auf dem Weg dorthin hüpfte und schlängelte es um uns herum – Frösche und Schlangen lebten zu Hauf auf der Wiese.

Am Baumstumpf selbst saß eine Eidechsenfamilie samt Nachwuchs in der Sonne. Unter dem ersten Stück Holz das wir vorsichtig beiseite hoben, war das Nest einer Ringelnatter. Damit war die Suche dann für uns beendet. Zwischen soviel Kleingetier kann man zwar prima Fotos machen, nicht jedoch nach einer Dose suchen. Nicht nur das der Zustand des Baumstumpfes schon die Vermutung aufkommen lässt, das er nach dem hundertsten Fund kaum mehr vorhanden ist, auch die vielen Tieren hielten uns davon ab.

Nun liegt da also eine Dose (wenn sie überhaupt noch dort ist) inmitten eines Biotopes, das den Lebensraum für unheimlich viele Tiere darstellt, in dieser Konzentration sieht man Lurche, Reptilien und Insekten wirklich selten, und die Guidelines, die sonst ganz amerikanisch „jeden Mist“ bedenken, erlauben das. Klar, hier ist der Geocacher selbst gefragt, der sich seiner Verantwortung der Natur gegenüber bewusst sein und an solchen Orten keine Dosen verstecken sollte, aber ganz offensichtlich funktioniert das nicht. Und so hat ein ansonsten wirklich schönes Hobby eben auch ganz finstere Schattenseiten… 🙁

Aber immerhin, in diesem Fall hat der Owner ganz fix reagiert und den Cache vorläufig aus dem Verkehr gezogen um einen neuen Platz dafür zu finden. Wenn doch nur alle so schnell handeln würden!

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

8 thoughts to “Schattenseiten”

  1. Jepp – ein mir bekannter Micro liegt in einem Baum, der einen Ameisenstaat beherbergt. Das ist dem Owner scheißegal, er hat auch auf entsprechende Kommentare nicht reagiert. Schade.

  2. Der Owner hatte wohl damals beim Verlegen nicht so viele Tier gehabt.
    Dieser hingegen schon… hier der Link zur Bio-Waffe äh Cache:
    http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC16EMF

  3. Das ist mir selbst auch schon mal passiert: Cachedose in einem alten Baumstamm deponiert – im Fürhjahr – und während des Jahres gegen Herbst zu hat sich ein Feuersalamander und andere Reptilien den Baum als Quartier gesucht.
    Nach der ersten Nachricht über die Sichtung hab ich dann das Final um ein paar Meter verlegt; man kann also beim Legen nicht immer die zukünftigen Mitmieter erahnen; aber man kann reagieren. Nein, als verantwortungsvoller Owner muss man sogar reagieren, finde ich.
    Grüßle aus Heidelberg
    struwwelchen

  4. Ist uns auch schon oft so gegangen. Theoretisch müßte man den Standort eines geplanten Caches ein Jahr lang regelmäßig aufsuchen und „biotopisch“ prüfen. Wir haben auch schon Cacheprojekte wieder fallen lassen, weil wir dem jeweiligen Ort Geocachers Grobmotorik und Umweltignoranz ersparen wollten. „Geocacher gehen sorgsam mit der die Dose umgebenden Natur um“ ist leider eine durch und durch leere Phrase

    meint der
    glurak

  5. Bei einem speziellen Cache in der Schweiz, den ich nach langer Suche trotzdem fand, sah die direkte Umgebung nach nur 2 Wochen Freischaltung schon dermaßen zertrampelt und zerwühlt aus, das hab ich woanders noch nicht gesehen. Inzwischen muss es wie auf dem Mond aussehen.
    Dem Owner muss aber angesichts der Aufgabenstellung klar gewesen sein, dass es so kommt wie es ist.
    Anders funktioniert die Idee des Caches zwar nicht, aber schlecht für die Umgebung ist es trotzdem. 🙁
    Man könnte sie aber auch woanders verwirlichen, sozusagen Rotationsprinzip, dann kann sich die erste Stelle wieder erholen…

  6. Danke für den Artikel. Die Geocaching=Umweltzerstörer-Story hat leider genug außen stehende aufgescheucht, daher finde ich es wichtig, auch nach außen zu tragen, das in der Community durchaus Umweltbewusstsein herrscht. Gut finde ich auch, das der Owner so schnell reagiert hat.

    PS: Die Bilder sind klasse!

  7. Der NM Eintrag hat ja Wirkung gezeigt. Zur Zeit ist der Cache ja geschlossen.
    Hoffe doch, dass der Owner sich in Kürze kümmert und das Finale etwas verlegt.
    Wie schon oben erwähnt kann man das beim Auslegen nicht immer sehen…

    Happy Caching
    CaLLiBRi

  8. Wieder tolle Bilder! Und ich finde es gut, dass so schnell reagiert worden ist! Das Ansehen der Geocacher ist ja im Moment etwas gestört. Aber ich denke wenn die meisten so verantwortungsbewusst und schnell handeln, wird sich auch das herumsprechen.

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