Standesamtliche Querelen

Die Anmeldung zur Eheschließung von Silly und Kai hat es gezeigt: Es geht auch anders! Wenn ich da an unsere Anmeldung zurückdenke, dann packt mich das kalte Grausen. Das lief nämlich ähnlich chaotisch ab wie unsere kleine Hochzeitsvorfeier im Kollegenkreis.

Angefangen hatte alles mit dem Versuch, das Standesamt telefonisch zu erreichen. Dieser Versuch fand Anfang November des Jahres 2005 statt und wiederholte sich ca. 80 Mal in den folgenden 14 Tagen. Als ich endlich jemanden an der Strippe hatte, es war der Leiter des Standesamtes höchstpersönlich(!), wurde ich mit den Worten „Sie haben jetzt echt Glück das ich gute Laune habe, sonst würde ich gleich wieder auflegen!“ begrüßt. Da war ich baff. Einen Termin für die Anmeldung zur Eheschließung bekam ich trotzdem nicht, dafür aber eine genaue Auflistung aller benötigten Papiere, die da waren: Abstammungsurkunden beider Eheleute, eine Abschrift der Eheurkunde der vorigen Ehe von $BESTEEHEFRAUVONALLEN mit eingetragener Scheidung und aktuelle Aufenthaltsbescheinigungen. Als die alte Eheurkunde verlangt wurde schwante mirSchlimmes und ich fragte den Leiter des Standesamtes nochmal direkt, ob ncht auch das Scheidungsurteil benötigt wird. Er verneinte dies klar und deutlich. Aber die Urkunden müssen vorhanden sein, sonst gibt es keinen Termin für die Anmeldung. Richtig, nichtmal einen Termin darf man machen, wenn man nicht alles zusammen hat.

Als ich nochmals auf die Anmeldung zur Eheschließung anspielte, meinte er zu mir, das ich doch dazu nicht bei ihm anrufen solle, denn er hat den Terminkalender nicht da. Okay, also wieder ungefähr 35 Versuche jemanden im Standesamt zu erreichen. Diesmal waren meine Versuche schon nach zwei Tagen von Erfolg gekrönt. Aber was wurde mir gesagt: „Sorry, aber ich habe den Terminkalender nicht hier, da ich nicht in meinem Büro sitze. Rufen Sie später nochmal an.“

Mir platzte der Arsch in 1000 Meter Höhe!

Nächster Schritt: Ran an den Rechner und ein Beschwerdeschreiben an den Bezirksbürgermeister verfasst. Der soll ruhig wissen wie schlampig und bürgerunfreundlich seine Leute im Amt arbeiten. Aber was nun machen? Ich habe mir also $BESTEEHEFRAUVONALLEN geschnappt und wir sind persönlich zum Standesamt gefahren. Dummerweise sind wir dort nie angekommen, denn wir wurden bereits beim Pförtner abgewimmelt. Es war schließlich keine Sprechzeit. Aber knapp 2 Wochen später schien mein Schreiben an den Bezirksbürgermeister Früchte zu tragen, denn ich erreichte, nach abermals etlichen Versuchen, jemanden im Standesamt und konnte endlich einen Termin machen. Als ich bei dieser Gelegenheit gleich auch schon vorab den Termin für die Eheschließung festmachen wollte, es handelte sich um einen Mittwoch, wurde ich sofort wieder abgeblockt. Mittwochs dürfen keine Eheschließungen stattfinden. Anweisung vom Amtsleiter. Den soll sich das Amtspersonal für Besprechungen und Weiterbildungen freihalten, da ist keine Zeit für Bürger die heiraten wollen.

Mir platzte der Arsch in 5000 Meter Höhe!

Jetzt stand fest: In Spandau wird definitiv nicht geheiratet. Also im benachbarten Falkensee angerufen. Zweimal geklingelt, nette Dame am Apparat, zwei Minuten später stand der Termin unserer Trauung bei ihr im Kalender. Fertig! Urkunden von anderen Standesämtern besorgen? Kurzer Anruf und die Urkunde kam auf Rechnung ins Haus. Fertig! Aha, es geht also auch anders.

Blöd nur, das die Anmeldung doch über Spandau laufen musste. Aber ich hatte ja nun einen Termin zur Anmeldung und noch ganze 8(!) Wochen Zeit bis der ran war, und konnte mich ein wenig beruhigen und die Wut verrauchte ein klein wenig. Bis der Tag des Termines kam. Ich betone nochmals: Es ging bei diesem Termin keinesfalls um die Trauung an sich, nein, es ging lediglich darum, heiraten zu dürfen. Pünktlichst stürmte ich also ins Standesamt um es endlich hinter mich zu bringen. Begrüßt wurde ich mit einem Wink zur Tür und einem kräftigen: „RAUS!“. Da war ich baff. Geschlagene 25 Minuten später, ich überlegte gerade ob ich nicht persönlich zum Bezirksbürgermeister marschieren und meinem Unmut Luft machen sollte, kam jemand aus dem Büro des Standesamtes. „Alle Leute ohne Termin mal bitte ins Büro.“

Ich hatte nichtmal mehr die Kraft in die Luft zu gehen.

Ich werde ohne Termin nichtmal bis zum Standesamt vorgelassen, und jetzt wo ich einen habe werden andere bevorzugt behandelt? Eine bodenlose Frechheit! $BESTEEHEFRAUVONALLEN merkte das gleich eine Bombe platzt und hielt mich zurück. Das brauchte sie glücklicherweise auch nur für weitere 3 Minuten, denn dann wurden wir aufgerufen. Kaum im Büro der Standesbeamtin wurden wir als erstes nach dem Scheidungsurteil gefragt.

Blinde Wut!

Genau das, was nach Aussage des Leiters des Standesamtes überhaupt nicht benötigt wird, wird als erstes angefragt. Ich hatte nicht nur mit dem Schlimmsten gerechnet, sondern inzwischen mit wesentlich mehr, also hatte ich das Urteil dabei und gab es ihr. Die nächste Frage zielte auf die Aufenthaltsbescheinigungen ab. Ich reichte ihr diese und bekam das nächste Ding an den Kopf: „Diese Bescheinigungen sind nicht mehr gültig. Die sind älter als 4 Wochen.“

Rasende Wut!

Ohne diesen Papierkram gibt es keinen Termin, hat man den Papierkram besorgt, kriegt man einen Termin der 8 Wochen entfernt liegt, obwohl man bereits Papiere besorgen musste die nur 4 Wochen gültig sind? Merken die noch etwas? Die Hand von $BESTEEHEFRAUVONALLEN krallte sich in mein Knie. Halte durch Junge, gleich haben wir es hinter uns. Ich lenkte mich ein wenig ab, indem ich in den benachbarten Trausaal schaute. Ranziger geht es wohl kaum. Was für ein Glück das die Trauung in Falkensee stattfinden sollte.

Abschließend kam die Frage, ob die Papiere direkt nach Falkensee geschickt werden sollen, oder ob wir sie selbst hinbringen wollen. Bin ich so blöd und verlasse mich darauf das das Spandauer Standesamt die Papiere pünktlich hinschickt? Hehe, so schnell hab ich noch nie in meinem Leben gesagt „Her damit!“.

Geschafft!

Geschafft? Nicht ganz. Da ist noch eine Rechnung offen, denn ich lasse mich schließlich nicht verarschen. Also habe ich wieder ein Beschwerdeschreiben aufgesetzt.
Offizielle Dienstaufsichtsbeschwerde an den Bezirksbürgermeister. Gegen das Standesamt im Allgemeinen und gegen dessen Leiter im Speziellen. Es war mir ein Vergnügen!

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

4 thoughts to “Standesamtliche Querelen”

  1. meine herren, was für eine odysee! das ist ja grauenhaft. scheiß bürokratie. im ersten step dachte ich ja die dortmunder beamten wären unhöflich und total unfähig, aber bei euch scheint es ja der absolute hammer zu sein! da bin ich aber froh, daß es doch so reibungslos bei uns geklappt hat, denn sonst hätte ich heute keinen arsch mehr, sooft wie der mir geplatzt wäre. und warscheinlich hätte ich auch keinen potentiellen heiratskandidaten mehr, denn der hätte mich auch nicht mehr beruhigen können, wir hätten einen vorehelichen megastreit gehabt und uns getrennt. puh, glück gehabt!

  2. Vom Spandauer Standesamt habe ich bisher noch nie etwas Gutes gehört. Die meisten Leute die ich kenne, die dahin mussten, haben sich zur Trauung ein anderes Amt gesucht. Verständlich!

  3. naja ab dem nächsten jahr soll man die ehe auch an einem anderen standesamt vornehmen können, außer bei dem im wohnort selber! das ist doch mal nen fortschritt!

  4. Das geht ja, wir haben ja auch eine Stadt weiter geheiratet.

    Oder meinst Du, das man dann auch die Anmeldung woanders vornehmen kann? Das dürfte problematisch werden, da ja dann die anderen Orte auch Zugriff auf die Daten aller Einwohnermeldeämter/Standesregister bräuchten…

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