Stetig sinkende DNF-Hemmschwelle

Nicht gefundene CachesIn den letzten Wochen ist mir zunehmend aufgefallen, das bei mir und $BESTEEHEFRAUVONALLEN die Hemmschwelle, eine Geocachesuche einfach abzubrechen und dann eben DNF zu loggen, deutlich gesunken ist.

Früher war alles anders! Dieser allgemeingültige Satz trifft auch auf diese Problematik zu. Wenn man noch recht neu beim Geocaching ist, dann spielt der Fund selbst und das damit verbundene Erfolgsgefühl – Tschakka, ich habe das Mammut erlegt! – eine nicht unwesentliche Rolle. Und so bringt man dann als Neuling auch sehr viel Zeit dafür auf, die Dose tatsächlich zu finden und mögliche negative Begleitumstände spielen eine eher untergeordnete Rolle. Man will halt das Ding einfach finden.

Inzwischen ist es aber eher so, das tatsächlich der Weg und das Gesamterlebnis drumherum den hauptsächlichen Antrieb geben und die Dose, der Fund, in den Hintergrund rückt. Dabei kommen verschiedene Faktoren zusammen, die je nach Häufung im konkreten Fall zu einem mehr oder weniger schnellen Abbruch führen.

Tüddelkram vs. ‚Echte Geocaches‘

Da wären zum Beispiel kleine Tüddeldosen. Ob nun Filmdosen, PETlinge, Stuhlprobenröhrchen oder im schlimmsten Fall popelige Nanobehälter, nicht nur das sie in den letzten Monaten geradezu inflationär nachgewachsen sind und ihre schiere Menge jedem Neucacher den Eindruck vermittelt, diese Büchsen wären das non plus ultra der Cachebehälter, sie sind in vielen Fällen keine wirklich guten Geocaches(¹).

Und so habe ich es mir inzwischen zur Angewohnheit gemacht, Mikros nur noch als Beifang mitzunehmen. Und genau das setzt eben auch die Hemmschwelle herab, nur kurz zu suchen. Ein Nano im Wald? Warum dafür seine Zeit verschwenden? Man kann ja hinterher nichtmal ein paar Reisenden weitere Meilen verschaffen. Eine Filmdose im Stadtpark? Warum liegt da ein Logbuch drin, die Finalkoordinaten einer dicken Dose wären doch viel besser – etwas was übrigens auf die meisten Filmdosen zutrifft, als Stage eines Multis mit ‚echter‘ Dose würden sie gleich richtig tolle Caches hergeben. Nach etwas über 1000 gefundenen Mikros haben wir genug von diesen Dingern gesehen und nur die wenigsten waren tatsächlich nötig bzw. gerechtfertigt.

Eine richtige Dose wird auch richtig gesucht! So einfach ist das. Da kann es auch gern mal etwas länger dauern und wenn man einen Regular erst nach einer Stunde suchen findet, dann zeugt das meistens von der Kreativität des Versteckes. Eine Filmdose hingegen bekommt inzwischen maximal 5 Minuten unserer Zeit spendiert. Was bis dahin nicht gefunden ist, kriegt einen DNF. Sinnlose Hints verkürzen diese Zeit übrigens noch einmal deutlich…

Ich kann Dich sehen!

Eines mag ich ja so ganz und gar nicht. Geocaches, die ganz offenbar nur gelegt wurden, damit der Owner bei der Suche zuschauen, sich an der Hilflosigkeit der Suchenden weiden kann. Ja gehts noch? Geocaches an so richtig heftig vermuggelten Orten sind ja schon die Krönung, aber wenn der Muggel dann auch noch der Owner ist, dann schlägt es dem Faß endgültig den Boden aus.

Das manch einer dazu neigt, sich in stark vermuggelten Gegenden wie ein besonderer Held zu fühlen, wenn er es tatsächlich geschafft hat die Dose (vermeintlich) unbeobachtet zu loggen, ist ja nichts neues und immer wieder in Logs nachzulesen. Aber okay, auch wenn es ein PETling im Hundehaufen ist, dann kommt immer wieder brav ein TFTC im Log, wie ehrlich diese Dankbarkeit ist, sein einfach mal dahingestellt.

Nur ist der gemeine Muggel nicht darauf aus, gezielt zu beobachten was man als Geocacher so treibt. Der Owner, der sich extra zu diesem Zweck eine Büchse vor das Wohnzimmerfenster legt schon. Soll ja jeder seinen Voyeurismus pflegen wie und wo er will, wir jedenfalls brechen inzwischen sofort ab, wenn sich der Eindruck ergibt, das der Owner hinter der Gardine steht oder auch nur stehen könnte. DNF mit Begründung hinterher und gut ist.

Sandkastenterroristen

Zwei Sorten Geocaches aber gibt es, bei denen brechen wir die Suche schon ab bevor wir überhaupt am Zielort angekommen sind. Da wären zum einen solche Caches, bei denen man schlimmstenfalls an kritischen Orten (Brücken, Bahnhöfe, Kliniken, Polizeireviere u.ä.) beobachtet werden kann. Sicher ist vieles was in den Medien verbreitet wird reine Panikmache, jedoch können viele nicht zwischen einer Filmdose und einer USBV unterscheiden und schon hat man einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Aber nicht nur möglicher Terrorverdacht auch eine ganz andere Spezialität sorgt für einen Abbruch aus der Ferne: Buddelkästen.

Mal ehrlich: Muß denn auf einem Kinderspielplatz und/oder in der Nähe einer Kindertagesstätte wirklich ein Geocache liegen?

Früher haben wir es da ja noch ähnlich wie bei den terrorverdächtigen Büchsen gehandhabt – wir sind zu Zeiten dorthin, wo mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemand zugegen ist um die Suche zu beobachten. Heute sparen wir uns das. Sobald beim Anmarsch zu erkennen ist, das eines der besagten Objekte in Cachenähe ist, wird der Status im Oregon auf Nicht gefunden gesetzt und wir rücken ab.

Und nun?

Wie man sieht, die meisten Geocaches die bei uns zu einem schnellen Abbruch nebst DNF führen sind von der Sorte, wie sie gerade in den letzten zwei Jahren recht inflationär geleg^Whingeworfen wurden. Klar, das ist sicher auch der steigenden Anzahl Geocacher geschuldet, die oftmals auch die Punktejagd in den Vordergrund stellen und dann eben Punkte suchen, anstelle von Geocaches. Andererseits muss aber auch nicht jeder Mikro an langweiliger Location unbedingt schlecht sein. Wie ich schon schrieb, als Beifang eignen sie sich durchaus und am Ende gilt: Spaß ist, was ihr draus macht!

Nur lässt sich eben nicht aus jeder Dose ein Spaß machen und nicht jeder Dose kann man mit viel Phantasie noch einen wirklichen Sinn andichten. Nicht umsonst finden sich in immer mehr Fundlogs Links auf den Artikel von Spike05, in dem er noch einmal auf die morsix’schen Richtlinien verweist. Aber Hinweise auf diese durchaus sinnvollen Richtlinien allein bringen nicht viel. Viel wichtiger ist es, dem Owner ehrliches Feedback zu geben. Und das gelingt nicht mit einem braven TFTC im Log, sondern nur mit ehrlichen Aussagen.

Und ehrliche Aussagen in Verbindung mit etwas mehr Konsequenz eine Dose auch einfach mal liegen zu lassen und das mit einem ehrlichen DNF-Log zu dokumentieren. Denn wenn Fundlogs, egal wie kurz und nichtssagend sie auch sind, das einzige Feedback bleiben, dann scheint ja mit der Dose auch alles in Ordnung. Und wo alles in Ordnung ist, muss man ja auch nichts ändern. Und genau das macht eben den DNF zu einem sehr wichtigen Logtyp. Nur muss man dann eben auch mal kurz vor dem Ziel auf den Punkt verzichten können, und die Fähigkeit dazu scheint vielen leider nicht gegeben…

¹ Aber bitte nicht falsch verstehen, nicht jeder Mikro ist gleich auch schlecht, viele haben durchaus ihre Daseinsberechtigung und ebenso viele sind nicht multitauglich und erfüllen das Kriterium „Location, Location, Location“ trotzdem! Und diese Sorte suche ich nach wie vor sehr gern.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

12 thoughts to “Stetig sinkende DNF-Hemmschwelle”

  1. Bei mir korreliert die Suchzeit meist mit der D-Wertung, eher unabhängig von der Größe. Aber ist eigentlich auch klar, je einfacher der Cache sein soll, desto weniger Suchzeit sollte ja nötig sein.

    P.S. da fehlt ein ‚a‘ im Schlagwort ’spielpltzcache‘

    1. @Max: So in etwa habe ich das früher auch gehalten, aber irgendwann mist mir die Lust darauf vergangen. Warum sollte ich einen Mikro im Wald über Gebühr lange suchen?

      @Carnosaurus: Ich hab hier auch so einige Statistikdosen in der Nähe. neulich wollte ich die mal mit dem Fahrrad kurz „erledigen“, aber schon nach dem ersten ist mir die Lust vergangen und ich habs sein gelassen. Wobei man natürlich auch so manche echte Statistikdose finden kann, die als Doppelfunktioner agiert: Sie bietet schnelle Punkte für die Sammler und schöne Wege für die Wanderer. Nur findet man so etwas nicht in Berlin, da muss man schon nach Hessen oder Bayern gehen.

  2. Hah – so handhabe ich das schon seit fast drei Jahren, und seit fast 2 Jahren versuche ich ehrliche Logs zu schreiben – für einen Schrottmikro kommt mir kein TFTC über die Tastatur. Für mich ist der Weg das Ziel, Statistikcaches nehme ich nur mit, wenn die eh‘ auf dem Weg liegen.

    Wie schon woanders geschrieben: ich habe hier im Märkischen Viertel einen recht neuen Statistikmikrocache, unter 500 Meter Luftlinie von meiner Wohnung entfernt – könnte ich mit einem minimalen Umweg auf dem Nachhauseweg mitnehmen, aber wozu? Ein Statistikpunkt? 😈

    Irgendwie vergesse ich den immer – und mit c:geo unter Android wäre das ein leichtes, den kurz mitzunehmen – was ein Zeichen ist, dass er mich wahrlich nicht interessiert, dafür fahre ich lieber eine Stunde pro Richtung in den Grunewald (oder näher: Jungfernheide/Tegeler See) um Natur und schöne Gegend zu erleben :mrgreen:

  3. Sehr schön :wub:

    Ich sach schon immer: T5 is was für Sissis – Echte Kerle loggen DNF :ninja: 👿

  4. @Schrottie: kann ich so nicht sagen – bei der Grunewaldrunde (so 10-12km, eine tatsächliche Runde) habe ich auch 14 Traditionals mitgenommen, etliche davon Statistik, ein recht liebevoll gemachten Mikro (im Vergleich zu den anderen Mikros im Wald eine echte Wohltat) 🙂

  5. Schön gesagt. Leider verstehen viele Owner nicht die Kritik an ihren Dosen.

    Mein letzter DNF zum Thema „Ich kann dich sehen“
    http://coord.info/GC2VEK1

  6. Wow, ein Blog von Schrottie bei dem mir fast jeder Satz aus der Seele spricht.
    Nur das mit dem Loggen ist bei mir anders: Ich suche die angesprochenen Dosen meistens gar nicht erst. Oft kann man ja schon vorher erkennen was einen da erwartet.
    Wer nicht sucht kann natürlich kein DNF loggen.

    1. Gezielt suchen gehe ich diese Dosen auch nicht, aber wenn ich auf Tour daran vorbeikomme, dann nehme ich sie halt als Beifang mit. Aber auch nur auf Cachetour, den Heimweg vom Feierabend unterbreche ich für sowas auch nicht, selbst wenn ich an der Ampelkreuzung nur aus dem Fenster greifen müsste… 8)

  7. Was soll ich noch groß schreiben, abgeshen von:
    Ja! Genau so ist’s! Und tut nichtmal mehr weh, den früher obligatorischen „Beifang“ zu ignorieren. Lieber 5 Minuten Zeit für ein Fotomotiv nehmen, „echte Pause“, oder ganz simpel: früher im Hotel ankommen.

  8. Sehr schöner Beitrag, der auch von mir stammen könnte.
    Nanos, Petlinge, Micros etc. suche ich auch meist als Beifang. Sind die Kleinen Bestandteil eines schwierigen Ratehaken in der Nähe, mache ich auch schon mal eine Ausnahme.

    Bei mir ergibt sich die Suchzeit aus Größe des Behälters und Location.
    Ist es ein Nano an vermuggelter Stelle, suche ich nicht wirklich intensiv.
    Ab Small aufwärts und mit abnehmender Vermuggelung suche ich dann schon länger. Gestern waren es bei einem Small mit dokumetiertem off von 26-30 m immerhin 30 Minuten. Das war aber auch mitten im Wald und keine Menschenseele weit und breit. Wäre das ganze auf dem Marktplatz gewesen, wäre ich längst wieder fort gewesen. Der Hint dazu: Baum! :angry:

    Ich gebe zu, ich habe auch den ein oder anderen Micro gelegt (1 Petling, 2 Filmdosen). die sind aber so versteckt, dass ein Muggel sie nicht findet, ein Cacher jedoch nach kürzester Zeit und dabei ohne sich zum Affen zu machen, was auch schon öfter lobend in den Logs erwähnt wurde. Ein entsprechender Hint dazu sorgt für Erleuchtung, nicht für Verwirrung.

    Immer wieder schön sind Nanos, an, im Saarland doch relativ häufigen, Bergbau-Denkmälern, wie Walzenschrämladern, Loren, Züge etc. Die Geräte sind meist zu 99 % aus Metall haben tausend Nischen, Löcher und Vertiefungen und sehr oft nichtssagende Hints, wie „magnetisch“.
    Da diese Dinge meist an viel frequentierten Orten stehen, ist das nicht sonderlich vergnüglich und aufs Suchen kann man sich eh nicht richtig konzentrieren, wenn man mit einem Auge sucht und mit dem anderen nach muggels schielt.

    Da gibt es dann von mir einen klassischen DNF-Log.

  9. Ich muss zugeben, ich kann die Ansichten selbst gut nachvollziehen, aber ich muss sagen wir haben an einem Bahnhof einen mit der Bundespolizei abgesprochenen Cache, der als Auflage die Größe Micro hat. und vor dem Eingang eines Polizeireviers befindet sich einer, der auch durch dieses genehmigt ist, auch wieder nur als Micro…
    also es geht auch an solchen orten ohne Terroralarm.

    Aber was Kitas und Spielplätze angeht muss ich leider auch sagen das ich es denkbar ungünstig finde da zu suchen, da gibt es dann ja ganz schnell auch Anschuldigungen..

  10. ein Pro und ein Kontra von mir in die Runde (nach einem Freundlichen Guten Abend),
    Spielplatz- oder Schulcache … GEHT GAR NICHT. Habe ich zu Beginn mal in OL an einem WE mitgenommen und mich darüber im Log zutiefst aufgeregt. Sicher ist es okay, wenn man in Familie unterwegs ist, aber als Solo-Cacher kann man da auch schnell mal ein Problem bekommen.

    Mein Kontra: Wenn Euch ein Cache pesönlich nicht zusagt, laßt ihn doch liegen und gut ist das. Anhand der dif&ter Wertung kann doch jeder Cacher selber entscheiden, welchen er mitnimmt. Nur weil ihr vielleicht schonmal einen 4er oder T5 gemacht habt und bei nem 1er keinen mehr angesteift bekommt , heißt es noch lange nicht, daß andere Cacher sich darüber freuen können.
    Ich kannte bisher nur tolerante Cacher …

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