Streit um Nutzen von Radwegen

Gerade habe ich in de.rec.fahrrad einen ganz interessanten Hinweis zu einem Zeitungsartikel in der Sächsischen Zeitung bekommen. Als Radfahrer kennt sicherlich jeder die Problematik der Radwege. Zumindest Radfahrer in großen Städten. Ich selbst fahre mit dem Fahrrad auch lieber auf der Fahrbahn, ich fühle mich dort wesentlich sicherer als auf dem, oftmals auch unzumutbaren, Radweg.

Derzeit arbeite ich ja auch an einem anderen Ort, da unsere Leitstelle umgebaut wird. Also habe ich auch einen anderen Arbeitsweg der mitten durch Charlottenburg/Wilmerdorf führt. Netterweise haben die Verkehrtsplaner dort weitgehend auf Radwege verzichtet und ich darf ganz offiziell auf die Fahrbahn. Das ist schön und zeigt mir deutlich, das es auch in Städten mit hohem Verkehrsaufkommen zu einem friedlichen miteinander zwischen Automobilisten und Radfahrern kommen kann, denn selbst im Berufsverkehr ist die Fahrt sehr entspannend.

Dummerweise verteidigen Verkehrtsplaner ihre Radwege und deren Benutzungspflicht. Radwege werden quasi als Allheilmittel gegen tödliche Unfälle mit Radfahrern gehandelt. Und das trotz der Tatsache, das gerade die Radwege, die den Radfahrer im Verkehrsfluß rechts von abbiegenden Fahrzeugen halten, ursächlich an eben diesen tödlichen Unfällen beteiligt sind. Und die Medien sprechen für gewöhnlich die gleiche Sprache.

Da ist es umso erfreulicher, das endlich auch mal kritisch über die Radwegebenutzungspflicht berichtet wird:

Es gibt eine ganze Reihe von verkehrswissenschaftlichen Untersuchungen über die Sicherheit von Radwegen. Und fast alle Studien kommen zu dem Schluss: Das Fahren auf Radwegen ist zumindest nicht sicherer als die Benutzung der Fahrbahn. Radwege, die getrennt von der Fahrbahn verlaufen, bringen Radfahrer in gefährliche Situationen. Sie werden von Autofahrern leicht übersehen. Sie geraten mit Fußgängern in Konflikt, die Radwege nicht erkennen und nicht mit schnell fahrenden Radfahrern rechnen. Und sie müssen zusätzliche Gefahrenstellen wie Seitenstraßen oder Ausfahrten überwinden.

[Quelle: sz-online.de]

Auch wenn es sich bei der Sächsischen Zeitung nur um ein lokales Blatt handelt, der Anfang ist gemacht und vielleicht hilft ja dieser Artikel ein wenig, die Diskussion um Sinn und Unsinn von Radwegen endlich mit denen zu besprechen, die es letztlich betrifft: den Radfahrern.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

20 thoughts to “Streit um Nutzen von Radwegen”

  1. Radfahrer finde ich toll. Vor allem, wenn ich mit nem fetten V8 mit Sidepipes unterwegs bin (Was leider nicht sooo oft vorkommt). Und da man ja beim Überholen Gas geben muss… Oder ein alter /8 🙂 In beiden Fällen sieht man Radfahrer schimpfen…

    Auch gerne genommen: Scheibenwaschen beim passieren der Radfahrer.

    👿 👿 👿 👿 👿

  2. Wieso eigentlich kann ich Deine Freude gerade nicht wirklich teilen? Tun Dir Fahrradfahrer etwas? In der Stadt kommt man mit dem Auto sowieso nicht wirklich schneller als mit dem Rad voran, also kann s nicht daran liegen das Du evtl. gebremst wirst. Und Strecken wo Du mit dem Auto wesentlich schneller bist sind für Fahrradfahrer sowieso gesperrt oder sie sind so großzügig angelegt, das Du mit dem Auto gefahrlos überholen kannst.

  3. Hat man den Sarkasmus nicht entdeckt? War er sooo schwer versteckt? Sorry ;-(

    Ich habe keine Probleme mit Radfahrern. Hier in der Region sowieso nicht. Da ausserhalb der Orte die Radwege räumlich sehr gut getrennt und i.A. auch gut ausgebaut sind… Nur ab und an diese wilden Jungs, die nach der TdF öfters auftauchen, die dann meinen dick neben einander herzufahren.

  4. Naja, erkennbar war der nicht wirklich. Aber gut, ich bin beruhigt. 🙂

    Diese lustigen TdF-Typen in ihren Teamtrikots hat es hier rund ums Jahr, da muss nicht gerade die Tour vorbei sein. Und richtig, die fahren gern im Pulk nebeneinander her. Das kann ich auch nicht leider. StVO-konform sollte man sich scon bewegen, wenn das mit dem Miteinander funktionieren soll.

  5. Mit dem Rennrad fahre ich auch kaum noch auf Fahrradwegen. Denn entweder sind die Wege durch Unterspülungen total uneben oder durch Wurzeln nach oben gedrückt. Oder wenn es direkt an der Straße eine durch Markierungen abgetrennte Spur für Radfahrer ist liegt so viel „Müll“ drauf, dass man sich eher einen Platten einfährt.

    Aber grundsätzlich sind Radwege schon eine tolle Erfindung, man will ja auch nicht unbedingt auf der Landstraße mit 1m Abstand und 70 km/h Geschwindigkeitsunterschied überholt werden. Nur bei der Umsetzung hapert es leider meistens.

  6. Begleitende Radwege auf Landstraßen sind schon in Ordnung, sie sind i.d.R. breit genug, schön glatt und es hopsen keine Fußgänger darauf herum. Obendrein gibt es in vielen Regionen bereits sog. Fahrradstraßen, die mit ihren bis zu 5 m Breite sehr angenehm zu fahren sind.

    In der Stadt jedoch, und das ist das Hauptproblem in der gesamten Radwegediskussion, halte ich Radwege für kreuzgefählich. Nicht nur durch die von Dir erklärte Unbenutzbarkeit, auch der Sichtkontakt Radfahrer-Autofahrer ist regelmäßig unterbrochen und tlws. komplett unmöglich, so das tödliche Unfälle vorprogrammiert sind.

  7. Ja, in Städten ist das natürlich auch ein riesiges Problem. Als wir noch in Saarbrücken wohnten, wurde meine Schwester auch mal von einem Autofahrer beim Abbiegen umgenietet.
    Andererseits kann man solche Situationen meistens auch als Radfahrer vermeiden, indem man sich immer nur vor den Autofahrern hält, abbremst oder auch einfach auf die „Gerade aus“-Spur wechselt.

    Hier in Mettmann gibt es solche Probleme zum Glück nicht so. Zum einen ist das Verkehrsaufkommen natürlich nicht so groß und zum anderen gibt es auch kaum Fahrradwege in der Innen-„Stadt“.

  8. Naja, gerade der Wechsel auf die entsprechende Spur ist ja bei benutzungspflichtigen Radwegen unmöglich. Da muß man rechts neben der Abbiegespur bleiben.

  9. In Städten sind Radwege sicherlich gefährlicher als die Straße. Auf engen Landstraßen jedoch sehe ich das genau anderst herum. Kurz nach der Kurve taucht schwer erkennbar ein Radfahrer vor einem auf und man darf von 100 auf X herunterbremsen um diesen nicht umzufahren, dann eiert man ewig hinterher bis sich eine Gelegenheit zum sicheren überholen bietet. Neben der Straße wäre ein Radweg gewesen… Ich fahre ja auch nicht mit dem Auto auf dem Radweg, also sollten Radfahrer dort auch bitte auf dem Radweg fahren, denn auch mit einem Rennrad und bunter Papageien-Kleidung ist man auf einer engen Ladstraße eine Gefahr und ein Verkehrshinderniss. Aber: In Städten sollten meiner Meinung nach auch Radfahrer besser auf der Straße fahren. Das ist dort sicherer (wird als Verkehrsteilnehmer direkt wahrgenommen und kann dann nicht so leicht übersehen werden), und stört dort eigendlich auch nicht… Ich würde empfehlen: Gute Radwege neben engen Landstraßen (mit Benutzungspflicht), und in der Stadt die Radwege abschaffen :silly:

  10. @Hudel: Aber wenn du gepflasterte Radwege neben der Landstraße hast, bei denen manchmal Pflastersteine fehlen oder 10 cm abgesenkt sind – würdest du da mit einem Rennrad drüberfahren?

  11. Deswegen erwähnte Hudel ja explizit:

    […] Ich würde empfehlen: Gute Radwege neben engen Landstraßen […]

    Und ist er quasi genau meiner Meinung. Und mal ehrlich, die meisten Radwege an Landstrecken sind doch inzwischen von sehr guter Qualität.

  12. Ja ja, ich weiß. Ich kenne auch katastrophale Radwege auf dem Lande, deswegen meinte ich ja auch „die meisten“. Denn zumindest rund um Berlin ist fast alles neu gemacht, meistens sogar fernab der Straße die begleitet wird.

  13. @Matthias: Mit dem Rennrad über Kopfstein… Dann muss man sich andere Strecken oder ein passende Rad suchen. Geht ja auch keiner mit Birkenstocks zum Mount Everest!

  14. Naa, eben mit den Pflastersteinen zeigt er ja ein durchaus bestehendes Problem auf: Es gibt halt oftmals Radwege die unzumutbar, aber dennoch bnutzungspflichtig sind. Klar, in solchen Fällen ist man nicht mehr verpflichtet, aber wenn man sich einmal mit der „Rennleitung“ über dieses Thema streiten musste, dann spart man sich zukünftig den Ärger, denn die wissen da eh nicht Bescheid.

    Und in Matthias Fall wäre das andere Fahrrad auch eher kontraproduktiv, er trainiert für den Triathlon…

  15. Lest mal was ER hier über das Fahrradfahren in einem eher ländlichen Gebiet schreibt… 😯
    Man muß sich ein bißchen reinlesen, weil das anscheinend eine Homepage mit integriertem Blog ist.
    Vor allen Dingen was er über die Zustände von Radwegen in einer „fahrradfreunlichen“ Stadt und über Radwege schreibt ist interessant zu lesen !

  16. @Gucky: Danke für den Tipp, das werde ich mir nochmal genauer ansehen. Interessante Geschichten hat der Kerl auf Lager.

    @StoiBär: Die „50 Gründe“ entstammen ebenfalls der Newsgroup de.rec.fahrrad und sie geben so ziemlich exakt die Zustände auf innerstädtischen Radwegen wieder.

  17. Habe ich auch interessiert gelesen. Vor allen Dingen, weil es in meiner Gegend ist und ich auch demnächst mehr Fahrrad fahren will (muß).
    Neenee, keine Führerscheinentzug ! 😉
    Mehr Mangel an Auto… :unsure:
    Aber die Beiträge zeigen die hier angesprochenen Mängel an Radwegen und DIE werden nicht nur hier so sein.

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