Sicher durch die dunkle Jahreszeit: Das Lupine Rotlicht

Wer wie ich das ganze Jahr über mit dem Fahrrad unterwegs ist, steht jedes Jahr erneut vor der Aufgabe, die Beleuchtung richtig winterfit zu bekommen. Und jedes mal schaut man dabei auch auf neue Produkte, denn besser geht immer. Aktuell wird ja auf dem Lampenmarkt eher nach vorn geschaut, die Hersteller werfen also in erster Linie Frontlampen auf den Markt, während Rücklichter, so hat man zumindest den Eindruck, eher stiefmütterlich behandelt werden.

Ein Rücklicht tauchte jedoch schon im vergangenen Jahr in meinem Fokus auf: Das Lupine Rotlicht. Und die Firma Lupine Lighting Systems war nun so freundlich, mir ein Exemplar dieses Rücklichts zum Test zur Verfügung zu stellen.

Lupine Rotlicht am Roadbike montiert

Ausgepackt

Geliefert wird das Lupine Rotlicht in einer Kunststoffverpackung siehe Foto . Das sorgte zunächst für Zähneknirschen, denn um diese Verpackungen zu öffnen braucht man ja normalerweise Kettensäge, Trennschleifer und Lichtschwert. Umso überraschter war ich, als sich die Verpackung ganz einfach aufklappen ließ. Damit sammelte das Rotlicht gleich den ersten richtig dicken Pluspunkt, noch bevor es zum ersten Mal leuchten durfte.

PackungsinhaltIn der Verpackung befindet sich das Rotlicht selbst, ein „Ersatzstraps“, das Ladekabel und die Bedienungsanleitung. Die Bedienungsanleitung siehe Foto ist zweiseitig und zweisprachig. Jeweils auf deutsch und englisch wird knapp, aber durchaus verständlich erklärt, wie die verschiedenen Lichtfunktionen zu schalten bzw. programmieren sind.

Das Rotlicht selbst besteht auf der Rückseite aus einem CNC-gefrästen Aluminiumgehäuse, das sehr gut verarbeitet ist und sich auch genauso anfühlt. Da ist kein Grat zu spüren und das mit 55 Gramm vergleichsweise hohe Gewicht tut dem keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, dadurch wirkt das Licht insgesamt noch ein Stück wertiger. Es ist schwarz eloxiert, wobei ganz frisch auch eine blaue Variante veröffentlicht wurde.

Das Befestigungsband wirkt auf den ersten Blick als Schwachstelle des Rotlicht, denn ein durchlöchertes Gummiband schafft nicht unbedingt Vertrauen. Ich kann es allerdings schon vorweg nehmen, das Band hält nicht nur bombenfest, man bekommt es auch bei regelmäßiger Montage/Demontage nicht kaputt. Mit 13 Zentimetern ist es auf den ersten Blick auch etwas lang, jedoch liegt das daran, das es auch für größere Sattelrohrdurchmesser nutzbar sein soll. Und so kann man es ganz bequem auf die geeignete Länge kürzen.

Ausprobiert

Das Rotlicht hat auf der Rückseite einen leicht abgeschrägten Block, der als Halterung fungiert. Die Schräge bewirkt dabei, dass das Rotlicht trotz Sattelrohrneigung senkrecht steht und somit sein Licht auf direkt nach hinten abgeben kann. Dabei befinden sich auf diesem Block auch Gummipuffer um Lackschäden bei der Befestigung zu vermeiden. Angebracht ist das Rotlicht dann kinderleicht. Ran ans Sattelrohr, Gummiband herumlegen, straff ziehen und einhaken. Fertig.

Vorn Cateye HL-EL 135, hinten Lupine Rotlicht auf kleinster Leuchtstufe

Die Haken in denen das Gummiband eingehakt wird, sind dabei ausreichend lang um ein versehentliches Lösen bei zu lascher Befestigung zu vermeiden. Das kommt dann auch der Lebensdauer des Gummibandes zu Gute. Durch die Länge des Hakens wird das Gummiband nach dem Einhaken wieder ein wenig entspannt und ist somit nicht zu straff angebracht. Ein Verrutschen des Rotlicht ist dennoch ausgeschlossen. Das Verhindern schon allein die Gummipuffer auf der Rückseite. Kurzum: Das Befestigungssystem ist durchaus durchdacht. Ganz einfach zu benutzen, sicher und fest – auch wenn es unterwegs mal etwas ruppiger zugeht – und trotzdem materialschonend.

Ich habe das Lupine Rotlicht zunächst auf niedrigste Leuchtstufe gestellt, immerhin sollte ja ein klarer Unterschied zu Aufblendfunktion und Bremslicht gegeben sein. Darüber hinaus ist das auch die sparsamste Einstellung. In dieser Einstellung ist es vergleichbar mit anderen Rücklichtern. Es ist sehr gut zu sehen und blendet nicht.

Aufgeblendet

Der Clou ist aber die Aufblendfunktion. Wie schon erwähnt, wird damit bei Auftreffen von Licht die ganze Sache auf maximale Leistung gestellt. Dies geschieht mit einer kurzen Verzögerung, so dass es nicht im Lichtkegel untergeht. Im Klartext: Ein Autoscheinwerfer leuchtet von hinten auf das Rotlicht, was die Wahrnehmung des Lichtes durch einen Autofahrer gegen null gehen lässt. Nach kurzer Verzögerung geht das Rotlicht auf volle Leistung und der Autofahrer hat ein deutliches Aufleuchten vor Augen.

Damit sollte auch der „blindeste“ Autofahrer merken, das da jemand vor ihm ist. Wichtig ist dabei nur, den Lichtsensor auf niedrige Empfindlichkeit zu setzen, da das Rotlicht sonst gerade am Tage fast durchgehend auf voller Leistung läuft und damit der Akku im Handumdrehen leer ist. Auch ist der innerstädtische Einsatz nicht unbedingt sinnvoll, denn seine Stärke kann diese Funktion eher auf trüben Landstraßen ausspielen.

Das Bremslicht in Aktion

Abgebremst

Aber nicht nur die Aufblendfunktion bei Gegenlicht ist vorhanden, auch eine Bremslichtfunktion ist als weiterer Sicherheitsgewinn vorhanden. Denn ein Bremslicht am Fahrrad ist ja, gerade im Stadtverkehr, eine sehr sinnvolle Sache. Ein Beschleunigungssensor erkennt dabei, wenn man bremst und schaltet das Licht dabei auf volle Leistung. Diese Funktion ist zwar eigentlich – wie das Lupine Rotlicht generell – für den Renneinsatz gedacht, wo oft viele Fahrer dicht beieinander fahren und somit ein Bremsmanöver schneller erkennen können, aber auch im Stadtverkehr ist diese Funktion ein echter Sicherheitsgewinn.

Der Sensor arbeitet dabei sehr präzise. In den Werkseinstellungen ist er auf mittlere Empfindlichkeit gestellt und die reicht völlig aus, Bremsaktivitäten selbst bei langsamer Fahrt zu erkennen. Hohe oder niedrige Empfindlichkeit ist ebenso einstellbar, aber im Test reichte die mittlere Empfindlichkeit völlig aus.

Neben diesen Funktionen bringt das Lupine Rotlicht noch diverse Leuchtmodi mit. Diese wären neben dem Dauerlicht ein Blinklicht, ein pulsierendes Licht und Dauerlicht mit Blitzfunktion. Wirklich sinnvoll ist allerdings in meinen Augen nur das Dauerlicht. Blinkendes und pulsierendes Licht irritiert schnell andere Verkehrsteilnehmer und erschwert vor allem die Einschätzung der Entfernung.

Unterwegs auf der Straße

Auf der Straße schlägt sich das Lupine Rotlicht erwartungsgemäß hervorragend. Man ist auch bei geringster Leistung sehr gut erkennbar und die bereits erwähnte Aufblendfunktion hilft bei ungünstigen Lichtsituationen ein wenig nach. Einige Autofahrer reagieren zwar zunächst etwas verwirrt, offenbar rechnen sie bei einem Fahrrad nicht mit einem Bremslicht, jedoch hielten sie an Kreuzungen und dergleichen (gefühlt) deutlich mehr Abstand. Klar, wer ein Bremsmanöver direkt erkennt, kann auch entsprechend darauf reagieren.

Und das machte sich nicht nur bei Fahrten in der Dämmerung und Dunkelheit bemerkbar, auch am Tage ist das Bremslicht sehr gut erkennbar und brachte spürbar höhere Abstände von hinterherfahrenden Kraftfahrzeugen.

Unterwegs auf dem Trail

Auch im Wald hat sich das Lupine Rotlicht richtig gut geschlagen. Insbesondere dann, wenn man nicht allein unterwegs ist, ist es eine echte Hilfe. Klar, bei einer Solotour könnte man ja auch höchstens ein paar Rehe oder Wildschweine anleuchten. Fährt man nun aber zu zweit oder mit mehreren durch den nächtlichen Wald, dann kommt es ja oft dazu, das man sich gegenseitig hochschaukelt und irgendwann richtig flott durch die Dunkelheit brettert.

Auflaufen bis hin zum Zusammenstoß bei plötzlichen Bremsmanövern sind dann keine Seltenheit. Und hier hat ganz klar die Bremslichtfunktion ihren großen Auftritt. Ähnlich wie beim Rennbetrieb wird hier versehentliches Auffahren wirkungsvoll verhindert und alle kommen heil wieder nach Hause.

Foto, Rotlicht montiert, kleinste Leuchtstufe

Aufladen

Aufgeladen wird das Rotlicht ganz entspannt an jedem beliebigen USB-Anschluss siehe Foto. Wer für den Notfall ein Akkupack dabei hat, kann dann notfalls sogar auf externe Stromversorgung ausweichen, vorausgesetzt er hat ein Kabel mit abgewinkeltem Micro-USB-Stecker (Bsp.), denn ein gerader Stecker würde mit dem Sattelrohr kollidieren. Allerdings reicht der eingebaute Akku, wenn man nicht gerade dauerhaft auf maximale Leistung setzt, bis zu 60, nach Packungsangabe sogar bis zu 80 Stunden, was einen „Notbetrieb“ eher nicht erforderlich macht.

Als Ladezeit gibt Lupine an, dass schon nach 2 Stunden 80% erreicht sind und eine vollständige Ladung ungefähr 5 Stunden dauert. Ich selbst lade meine Gadgets mit einem Anker-Tischladegerät, das jedem Gerät den maximal möglichen Ladestrom zukommen lässt. Im Test dauerte es bei fast komplett entladenem Rotlicht gerade mal 3,5 Stunden bis es einen vollen Akku meldete.

Witzig ist übrigens auch die Ladestandanzeige. Eigentlich ist es eher eine Entladungsanzeige, denn beim Abschalten meldet sich die rote LED zu Wort. Für jedes Blinken rechnet man dann 100mAh entnommener Energie. Blinkt sie also beim Abschalten dreimal, wurden 300mAh entnommen und 500mAh sind noch verfügbar. So lässt sich gut abschätzen, ob das Rotlicht ans Ladekabel muss oder ob es noch ein wenig Durchhaltevermögen besitzt.

Zubehör

Im Lupine Shop gibt es dann auch noch Zubehör für das Rotlicht. Sollte doch einmal das Befestigungsband reißen, gibt es im Shop Nachschub, wenn der Akku im Laufe der Zeit zu schwächeln beginnt, kann man ebenso einen neuen bekommen. Und das sogar verhältnismäßig preiswert. Das Befestigungsband kostet 2,– €, der Rotlicht-Akku schlägt gerade mal mit 8,– € zu Buche. Allerdings ist der Akku nicht für den schnellen Wechsel gedacht. Das Rotlicht ist fest verschraubt und so braucht es schon Werkzeug zum Akkuwechsel.

Lupine Rotlicht, zum Akkuwechsel zerlegt

Und noch ein weiteres Zubehörteil ist zu haben. Wer auf richtig rote Rückleuchten steht, kann die klare Vorderseite des Rotlicht durch eine rot durchgefärbte Version aus dem Zubehörshop ersetzen. Das Barolo-Kit ist, wie auch schon die anderen Zubehörteile, mit 6,– € durchaus preiswert. Und schick! 🙂

Vermisst?

Ganz klar, das Lupine Rotlicht lässt keine wirklichen Wünsche offen. Aber im Zeitalter der Luxusprobleme findet man natürlich auch Dinge, die man zusätzlich gern haben möchte. Beim Lupine Rotlicht wäre das zum Beispiel eine Fernbedienungsfunktion. Lupine hat ja einige „R“-Modelle im Portfolio, die sich Bluetooth sei Dank fernsteuern lassen. Dabei kommen sowohl ein kleiner Schalter als auch eine App zum Einsatz.

Und da fällt mir natürlich gleich eine Einsatzmöglichkeit ein: Nicht nur reines Ein- und Ausschalten des Lichtes, sondern auch die Möglichkeit, die Aufblendfunktion im nächtlichen Stadtverkehr mit vielen PKW-Scheinwerfern während der Fahrt zu deaktivieren wäre Klasse. Aber wie gesagt, das sind Luxusprobleme. 😉

Fazit

Mit einem durchschnittlichen Preis von 85,– € ist das Lupine Rotlicht sicher kein Preisbrecher, jedoch ist es jeden Cent davon wert. Nicht nur die wertige Verarbeitung des Aluminiumgehäuses, auch der Funktionsumfang lässt (fast) keine Wünsche offen.

Die Bedienung ist, ganz anders als man es bei einem Gerät mit vielen Funktionen und nur einem Schalter zunächst erwartet, denkbar einfach. Die erhöhte Sicherheit im Straßenverkehr, aber auch bei Gruppenfahrten auf dem MTB-Trail ist deutlich spürbar und gibt somit ein durchaus beruhigendes Gefühl.

Wer viel in der Stadt unterwegs ist, wird die Bremslichtfunktion schnell lieben lernen und wer oft auch längere Touren „über Land“ macht, wird den Sicherheitsgewinn durch die Aufblendfunktion nicht mehr missen wollen.

tl;dr Ich habe das Lupine Rotlicht High-End Fahrradrücklicht mit Rennrad und Mountainbike getestet. Es konnte durch seine wertige Verarbeitung, die einfache Bedienung und die sehr lange Akkulaufzeit punkten. Die „Aufblendfunktion bei Gegenlicht“ und die Bremslichtfunktionen machen Fahrten mit dem Fahrrad bei Dunkelheit deutlich sicherer. Es ist kinderleicht montiert und demontiert, was die Nutzung an mehreren Fahrrädern bzw. das schnelle Einstecken als Schutz vor Diebstahl ganz einfach macht. Schnelles und bequemes Aufladen am PC, dem Smartphoneladegerät oder jedem anderen USB-Anschluss runden die Sache ab.
Ich kann das Lupine Rotlicht somit uneingeschränkt empfehlen!

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

2 thoughts to “Sicher durch die dunkle Jahreszeit: Das Lupine Rotlicht”

  1. Dieses Rotlicht ist interessant. Nur leider hat es keine Zulassung gemäß StVZO. Das trübt den positiven Eindruck etwas. Aber trotzdem ein sehr innovatives Licht.

    1. Das mag daran liegen, das es zuvorderst für den Rennbetrieb konzipiert wurde. Aber letztlich haben viele Lampen keine Zulassung nach StVO. Und da nimmt man doch lieber eine wirklich gute, auch wenn die Zulassung fehlt, als eine zugelassene, die nix taugt. 🙂

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