Thetered Shooting unter Linux und Android

Wer schon einmal beim Fotografen gesessen hat, der hat sicher auch schon gesehen, dass der Fotograf oft am PC sitzt, von dort aus seine Anweisungen gibt und dann auch von dort aus fotografiert. Das Ganze nennt sich „Thetered Shooting“ und bedeutet nichts anderes, als dass die Kamera von einem PC gesteuert und ausgelöst wird.

Ich selbst bin zwar alles andere als ein Profifotograf, also eher mal froh wenn mir zuweilen mal ein halbwegs brauchbares Bild gelingt, aber ich bin ein Spielkind. Soll heißen, das ich das mit dem „Thetered Shooting“ auch mal ausprobieren wollte. Und das dann mit Hilfe meiner präferierten Systeme, also Linux und Android.

Screenshot: Entangle

Der erste Versuch startete mit Linux. Hier gibt es inzwischen allerlei Software die das alles kann. Ich probierte als erstes Entangle und landete damit einen Volltreffer. Meine Kamera, eine Canon EOS 1100D wurde auf Anhieb erkannt und es erfolgte die freundliche Nachfrage, sie denn vom Massenspeichermodus in den Vorschaumodus versetzt werden darf.

Entangle LogoOhne weitere Probleme wurde dann der Spiegel weggeklappt und ich sah am Monitor, was die Kamera durch das Objektiv sah. Sozusagen.

Sämtliche Einstellungen lassen sich ganz bequem am Rechner vornehmen, so dass die Kamera eigentlich nur aufs Stativ muss, einmal ausgerichtet wird und schon kann man ganz bequem damit arbeiten. Ein großer Vorteil dieser Lösung ist ja, das man eben auch nicht mehr an der Kamera herumfummeln muss und somit nicht Gefahr läuft, die Ausrichtung zu verändern. Es sei denn natürlich, man rennt wie ich laufend gegen das Stativ. 😉

Screenshot: Helicon Remote

Auf die vielfältigen Möglichkeiten und Einstellungen von Entangle will ich jetzt gar nicht weiter eingehen, das haben andere schon getan, also weiter zu Android. Denn auch unter Android soll es ja funktionieren und hier bieten sich die wirklich interessanten Möglichkeiten.

Helicon LogoGerade bei schlechtem Licht, man denke da bspw. an die Feuerwerksfotos, habe ich als Brillenträger schnell Streß damit, im kleinen Sucher zu erkennen ob auch wirklich alles scharf ist. Da hilft es ungemein, wenn man Smartphone oder Tablet als „Sucher“ verwenden kann.

Ich musste hier allerdings erst einige Apps ausprobieren, bis ich eine fand, die auch problemlos mit meiner Kamera zusammenarbeiten wollte. Den gewünschten Erfolg brachte dann letztlich Helicon Remote. Diese App arbeitet mit wirklich vielen Kameramodellen von Canon und Nikon zusammen und dürfte damit ohnehin die beste Wahl unter den auf dem Markt befindlichen Apps für das „Thetered Shooting“ sein. Und kostenlos ist sie obendrein.

Helicon Remote
Helicon Remote
Entwickler: Helicon Soft Ltd.
Preis: Kostenlos+

Angeschlossen habe ich die Kamera mittels handelsüblichem USB-Kabel und OTG-Adapter. Prompt wurde sie vom Tablet, in diesem Fall einem Nexus 9, erkannt und auch Helicon Remote übernahm sie umgehend.

Auch die Vorschau funktionierte auf Anhieb, hat allerdings auch ihre Macken. Manchmal bleibt das Vorschaubild auf 75% der Vorschaufläche stehen, insbesondere bei größeren Fokusänderungen. Dann genügt es aber, einfach kurz die Vorschau zu deaktivieren und wieder zu aktivieren.

Helicon Remote bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Diese erstrecken sich von einem vollautomatisch aufgenommenen Foto bis hin zu umfangreichen Belichtungsreihen. Besonders gefiel mir dabei, das sich das Vorschaubild mittels Zweifingergeste zoomen lässt und man somit auch wirklich ganz genau die richtige Schärfeebene treffen kann. Videoaufnahmen sind ebenfalls möglich, wobei hier nur Nikon-Kameras unterstützt werden. Und falls jemand noch Windows benutzt, auch für Windows ist Helicon Remote zu haben.

Screenshot: Helicon Remote mit gezoomter Vorschau

Hier sind noch ein paar Aufnahmen, die ich bei meinen Versuchen gemacht habe. Einmal ein Foto im Automatikmodus mit ausgelöstem Blitz (Linux/Entangle), einmal im P-Modus ohne Blitz (Linux/Entangle) und noch einmal im P-Modus ohne Blitz (Android/Helicon Remote).

Foto, aufgenommen mit Entangle, Automatikmodus mit ausgelöstem Blitz Foto, aufgenommen mit Entangle, P-Modus ohne Blitz Foto, aufgenommen mit Helicon Remote, P-Modus ohne Blitz

Abschließend lässt sich also sagen, das „Thetered Shooting“ sowohl unter Linux als auch unter Android recht problemlos funktionieren. Allerdings bleibt es wohl auch eine Spielerei, denn abgesehen von seltenen Fällen nächtlicher Sucherblindheit wird es Otto Normalverbraucher kaum brauchen. Aber wie so oft gilt auch hier: Gut zu wissen das es geht! 😀

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

2 thoughts to “Thetered Shooting unter Linux und Android”

    1. Sieht auf den ersten Blick ganz gut aus. Danke für den Tipp, ich werde mir das mal genauer anschauen. 🙂

      BTW: Ich habe mir mal erlaubt, den Link in Deinem Kommentar klickbar zu machen.

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