Übersetzungszwickmühle

Das Wunderschöne an freien Projekten ist, das man selbst mit Hand anlegen kann um sie zu verbessern. Aus diesem Grunde war es für mich seinerzeit selbstverständlich, das ich bei opencaching.de mithelfe. Damals wurde oft die graue Optik kritisiert, teilweise sogar recht energisch, nur besser machen wollte es niemand. Als ich dann einen konkreten Vorschlag machte, fragte mich Oliver ob ich das übernehmen würde. Und schwupp war ich dabei. Wenn man selbst mitmacht wird man übrigens in eine ganz nette Lage versetzt: Man gehört plötzlich zu denen, die mal meckern dürfen, denn auch das liegt in der Natur freier Projekte – wer nur meckert ohne selbst mit anzupacken, der sollte lieber die Klappe halten, schließlich hat ihm ja niemand verboten den vermeintlichen Missstand zu beseitigen.

Nun benutze ich ja inzwischen recht intensiv den OpenCacheManager, der nach längerer (vermeintlicher) Stagnation jetzt wirklich intensiv weiterentwickelt wird. Und weil ich das Teil für wirklich genial halte, aber auf Grund der doch recht kleinen Zielgruppe (Geocacher mit einem guten Betriebssystem) hier anders als bei Projekten wie bspw. Wikipedia auch nur sehr wenig potenzielle Unterstützer vorhanden sind, überlegte ich, wie ich dem Projekt ein wenig zurückgeben kann. Nun liegt mir  C# (C-Sharp) nicht sonderlich. Was Anwendungsentwicklung betrifft habe ich nur ein klein wenig Plan von VisualBasic, aber auch das habe ich mangels Microsoft Solitär schon einige Jahre nicht mehr verwendet.

Also habe ich mir gedacht, das ich dann eben kurzerhand die Übersetzung der Dokumentation übernehme. So quasi als Dankeschön an den Entwickler, der hier ja wirklich einen großen Teil seiner Freizeit opfert um uns allen diese tolle Software zur Verfügung zu stellen. Und das bringt dann gleich ein paar Problemchen mit sich.

Ich bin nämlich kein großer Freund von inflationärem Sprachenmix. Sicher, etliche englische Wörter haben sich inzwischen innerhalb des deutschen Sprachgebrauchs etabliert, aber dennoch finde ich, man sollte das nur sehr vorsichtig tun. Also habe ich die Dokumentation zunächst möglichst wörtlich übersetzt. Und das erinnert dann an die heftige Deutschtümelei, wie man sie früher bspw. von Microsoft Outlook her kannte. Das muss allerdings noch einmal überarbeitet werden, denn Begriffe wie „Kind-Wegpunkt“ anstelle von „Child-Waypoint“ klingen doch relativ dämlich. Selbst recht einfache Begriffe wie „Corrected Coordinates“ klingen als „korrigierte Koordinaten“ leicht dämlich, wenngleich sie ja völlig korrekt sind. Und anders als der völlig kranke Sprachenmix „Gepublish„, der einem immer wieder über den Weg läuft, kann man damit ja eigentlich auch gut leben.

Wie seht ihr die Sache? Strikt die Übersetzung verwenden, oder doch besser ein paar „eingebürgerte“ Begriffe in der Originalsprache übernehmen?

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

23 thoughts to “Übersetzungszwickmühle”

  1. Sinngemäße Übersetzungen sind meiner Meinung nach besser als wörtliche. Mir fällt jetzt zwar zu Child-Waypoint nix besseres ein, da mir der Zusammenhang nicht so ganz klar ist, aber es wird sicher etwas besseres/sinnvolleres als Kind-… geben.

  2. Wie wärs mit „untergeordneter Wegpunkt“ und „überarbeitete Koordinaten“?

    Hab ich das richtig verstanden? Da programmiert einer unter Windows ein Programm für Linux?

  3. Da stimme ich Max zu, sinngemäße Übersetzungen sind da besser. „korrigierte Koordinaten“ finde ich jetzt nicht sooo schlecht, solang sich das auch in dem ganzen Satz gut anhört. Manchmal hilft auch ein Blick auf Synonyme, selbst wenn sie offiziell keine direkte Übersetzung darstellen.

  4. Lass Dich von sowas nicht ausbremsen. Ist wie mit Filmen und Büchern. Wer den vollen Genuß will liest das Original. Wer die Übersetzung will soll halt auch mit solchen holprigen Begriffen klarkommen.

  5. Da gilt es wohl die goldene Mitte zu finden. Child-Waypoint ich lassen, ansonsten wäre ich für ‚Geänderte Koordinaten‘.

  6. Ich halte Child-waypoint fuer eine bessere Loesung als selbst etwas Deutsches zu erfinden, das kein Standardbegriff ist.

    PS: Frage am Rande aus Neugier: Aus welchem Grund nuetzt dem Entwickler eine deutsche Uebersetzung? (Betonung auf Entwickler. Der Prozentsatz der Benutzer von Geocaching Linux-Tools, die die englische Dokumentation nicht lesen koennen, duerfte doch eher klein sein.)

    1. @StoiBär: Nicht ganz, da benutzt jemand eine von Microsoft entwickelte Programmiersprache um unter Linux für Linux zu entwickeln.

      @Peter B: Ich glaube Deine Variante klingt am besten.

      @Cezanne: Direkt nützen tut die Entwicklung nicht, zumindest nicht im klassischen Sinne. Aber es gibt einem schon ein Stück weit Bestätigung wenn sich auch andere in solcherlei Projekte einbringen, egal auf welche Weise. Und um nichts anderes geht es. Und was die Fähigkeit der Benutzer, eine englischsprachige Doku zu lesen betrifft: Wie lange waren alle am heulen das GC doch endlich auch Deutsch mit anbieten soll, „weil es auf englisch alles so kompliziert ist“? Linux ist heutzutage kein Nischenprodukt für Nerds mehr, Linux ist auf dem Desktop wesentlich einfacher und schneller installiert als Windows, dementsprechend hoch dürfte auch die Wahrscheinlichkeit sein, das sich Benutzer finden die eben des englischen nicht mächtig sind.

  7. Obwohl ich ja der Meinung bin, dass Du das einfach ganz nach Deinem eigenen Gefühl schon richtig machen wirst, will ich antworten, weil Du gefragt hast. Meine Empfehlung: Überlege, was ein Satz sachlich aussagen soll und fasse ihn dann einfach in dir geläufigem Deutsch ab. Um bei Deinen Beispielen zu bleiben. Den „korrigierte Wegpunkt“ finde ich völlig in Ordnung, ist doch geläufiges Deutsch. Unter „Child-Waypoint“ kann ich mir leider nicht so recht etwas vorstellen, aber „untergeordneter Wegpunkt“ klingt sehr vernünftig. Gibt es auch einen „übergeordneten Wegpunkt“, vielleicht einen „Master-Waypoint“ und dazu einen „Slave-Waypoint“? Da würde ich in solchem Fall vielleicht sogar beim englischen bleiben, also „Master-Wegpunkt“ und „Slave-Wegpunkt“. „Gepublished“ ist natürlich indiskutabel, zumal es mit „veröffentlicht“ ein sauberes, klar verständliches deutsches Pendant … ähm Gegenstück gibt ;-).

    Viele Grüße
    Gerald

  8. Offtopic-Antwort: „Alle waren am heulen“ ist wohl stark uebertrieben. Es handelte sich dabei um eine vergleichsweise kleine Gruppe und ich glaube nicht, dass sich besonders viele Linux-Benutzer darunter befanden.
    Was Du bei der Installationsaussage uebersiehst, ist, dass eine grosse Anzahl von Windows-Benutzern nicht selbst das Betriebssystem installiert (egal welches es ist). Im uebrigen ist eine Dokumentation eines Programms typischerweise einfacher zu lesen als ein rechtlicher Text (wie z.B. gewisse Texte von Groundspeak). Fuer das Lesen einer solchen Dokumentation (nicht das aktive Verfassen!) reichen sehr rudimentaere Sprachkenntnisse aus, und die duerfte die grosse Mehrheit der Linux-Benutzer besitzen.

  9. Och Schrottie,
    das Problem hab ich auch demnächst. Kyle hatte mich gefragt, ob ich die Übersetzung der Software ins Deutsche übernehme. Ich hatte tatsächlich vor „Denglish“ zu benutzen, so wie wir es täglich im grünen Forum lesen/schreiben. Auch die „Fachbegriffe“ würde ich lassen, einzig den Cachetyp „Unknown“ würde ich überlegen in „Mystery“ zu ändern, entspricht das doch dem deutschen Sprachgebrauch.
    Ich denke „richtiges“ Deutsch verwirrt teilweise mehr als es hilft, aber es gibt ja tatsächlich auch Menschen die einfach fitter in Deutsch als in Englisch sind (ja, sogar unter jungen Leuten gibt es die).
    Alternativ könnte man ja 2 Übersetzungen anbieten: „Denglish“ und „Deutsch, wie Adolf es wollen würde“ 👿

    Grüße TweetyHH / Florian

    P.S. Ja, „MIR“ wird geändert ^^

    P.P.S. Ich hoffe ja tatsächlich, dass es irgendwann auch mal ’ne Windowsversion geben wird. Also dann wird man definitiv für „DAU“s ’ne deutsche Übersetzung haben wollen.

  10. @TweetyHH: Das Du da dran bist habe ich schon mitbekommen. Das ist ja auch nötig, denn schon in der aktuellen Version sind ja einige nicht übersetzte Teile und wenn mit der 0.22.8 noch etliche Dinge hinzukommen, dann wird der Handlungsbedarf ungleich größer. Aber gut das Du Dich da meldest, schön wäre ja eine einheitliche Übersetzung. Ich nehme mal an, Du würdest „Child Waypoints“ und „Corrected Coordinates“ im englischen belassen? Handlungsbedarf besteht da eigentlich nicht, denn auch wenn GSAK das so benutzt, ist ja GSAK nicht übersetzt und somit nicht wirklich also Vorlage nutzbar. Nach den Vorschlägen hier in den Kommentaren tendiere ich ja eher zu „Child Waypoints“ und „geänderte/angepasste Koordinaten“. Aber da bin ich für alles offen, es gibt schließlich noch wesentlich blödere Übersetzungsprobleme, man nehme mal als Beispiel „Garmin GPX based paperless caching device“, denn „GPX basiertes papierlos Cachegerät“ klingt erstmal blöd, „GPX basierte Garmingeräte für papierloses Cachen“ klingt aber ebenfalls nicht nach der Weisheit letztem Schluß… 😥

    BTW: Brauchst Du einen Vorschlag für „MIR“? :w00t:

  11. „MIR“ werde ich wohl mit „Eigene“ übersetzen. „Angepasste Koordinaten“ hört sich recht gut an, „korrigierte Koordinaten“ find ich allerdings auch nicht schlecht.
    Statt „Child Waypoints“ könnte man (muss mir den Kontext dann mal anschauen) auch freier als „Zusätzliche Wegpunkte“ übersetzen.

    Ich wollte das ganze dann eher kurzfristig vor Release übersetzen, mit den richtigen Werkzeugen geht das relativ gut von der Hand. Aber falls dir noch richtig grausame fertige (bzw. alterative bessere) Übersetzungen auffallen kannst du mir die gerne schicken, ich werde nicht unbedingt alle fertig übersetzten Wörter durch gehen, weil ich doch immer den Kontext im Programmcode betrachte bevor ich einen Begriff eintippe.

    P.S. Bei den Geräten ist die Frage nicht fast die Aufzählung der Geräte fast besser ist, ich dachte so wäre das auch gelöst gewesen, hab ich wohl was übersehen.

    1. „Angepasste Koordinaten“, soso. Das wäre wohl tatsächlich auch eine Option. Wir sollten halt diesbezüglich in Kontakt bleiben, damit Doku und Software da eine einheitliche Linie fahren. Und die Gerätesache, das betrifft nur die Doku selbst, Du musst Dir da also keine Gedanken zu machen. 🙂

  12. Oh – ihr habt die deutsche Übersetzung übernommen? Spannend – Kyle hat von mir die 0.22.7 vorliegen…

  13. @helixrider: Im Grunde ja, ich mache die Doku und TweetyHH ist aktuell an der Programmübersetzung dran. Wenn Du da schon soweit was getan hast, ist das natürlich umso besser. Stammt von Dir die aktuelle de.po im SVN? Da steht ja noch das „MIR“ drin, ebenso „Child Wegpunkte“. Das klingt IMHO etwas seltsam. Und was am wichtigsten ist: Bist Du da nach wie vor dran?

  14. @schrottie:
    Ja, die aktuelle de.po stammt von mir und ich sehe mich da auch noch weiterhin. Allerdings konnte ich aus beruflichen Gründen nicht mit Kyles Entwicklungstempo mithalten :roll:, so dass er in zwischenzeitlichen Releases eigene Vorschläge mit eingebaut hat.
    Das „Child-“ Problem (Verdenglischung versus „korrektes“ Deutsch) sehe ich auch. Daher habe ich auch kein Problem, wenn mehrere sich mit der Übersetzung beschäftigen. Ist ja schließlich Open Source. Kann man ja parallel machen oder einfach Vorschläge bei einem Übersetzer platzieren, der dann konsolidiert die Anpassungen macht.
    VG

  15. Fein, umso je Leute, desto besser. Aber um die verschiedenen Vorschläge/Meinungen bez. der Übersetzungsterminologie zu sammeln, sollte dann aber vorzugsweise ein Ort genutzt werden, an dem es auch für später erhalten bleibt. Ich werde nachher, wenn ich etwas Zeit habe, im Entwicklerbereich des Forums die bisherigen Überlegungen zusammenfassen, dann ist alles auch dort festgeschrieben, wo man später als erstes suchen würde. 🙂

  16. Hallo!
    Ja, Sinn macht sinn.
    Ist ja dumm, wenn man 1 zu 1 übersetzt. Also lieber Umgangsprache verwenden. 🙂

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