Verhängnisvoller Partyabend

StorycontestDer Querdenker lädt zum Storycontest. Dabei sollen die 10 häufigsten Suchbegriffe genommen werden, mit denen die Besucher das eigene Blog erreicht haben. Aus diesen Suchbegriffen soll nun eine Geschichte gebastelt werden, in der eben diese Suchbegriffe verwendet werden. Das ganze im eigenen Blog veröffentlichen oder, falls es thematisch nicht passt an den Querdenker zur dortigen Veröffentlichung senden, und man ist dabei. Sodele, dann versuche ich mich mal: Nunja, aus dem Versuch ist dann doch etwas mehr geworden, ich hoffe mal, das das jetzt noch als Kurzgeschichte durchgeht. Aber lest selbst, wer das ganze Ding bis zum Ende liest, darf sich ein Bienchen eintragen. (BTW: Wer irgendwelche Rechtschreibfehler findet, darf diese selbstverständlich behalten. 😉 )

Prolog

Schwer verkatert lag er auf dem Fußboden und verfluchte die Sonne, die ihre gleißenden Strahlen mit Gewalt durch das Fenster bohrte. Wo war er? Mit verkniffenen Augen versuchte er seine Umgebung wahrzunehmen. Lag er tatsächlich in einer Zelle? Die Gitter vor dem Fenster ließen das jedenfalls annehmen. Während sich das Brummen in seinem Schädel zu einer Explosion erweiterte, dachte er über den vergangenen Tag nach. Warum zum Henker lag er hier?

Der Weg ins Kino

Ursprünglich sollte der Vorabend ganz ruhig mit ein paar Freunden im Kino ablaufen, aber bereits auf dem Weg dorthin lief alles aus der Bahn. Als sie an der Disco vorbeikamen nahmen sie eine aufgeregte Menschenmenge wahr, die sich um einen Sportwagen scharte. Was er im Sportwagen sah, lies die Geschehnisse letztlich ihren Lauf nehmen. Geistesgegenwärtig riss er seine Kamera, die er für eben solche Fälle stets bei sich führt, aus der Tasche, kurz fokussiert und abgedrückt. Insgeheim lobte er sich wie üblich selbst, er war nicht umsont als Mann mit dem schnellsten Finger am Abzug in der Branche bekannt. Das war der Knüller, das würde ihn reich machen. Er hatte britney spears muschi fotografiert. Die Bilder mussten verkauft werden, solange sie noch heiß waren.

Vor Aufregung vergaß er sogar, sich bei seinen Freunden zu verabschieden, er hatte nur noch die Bilder im Kopf und musste sie so schnell wie möglich verkaufen. Aber an wen? Die „Sun“ war genau das richtige Blatt, die zahlen ein Vermögen für derartige Aufnahmen. Er winkte sich ein Taxi heran. „Zur Redaktion der Sun, wenn sie es in 10 Minuten schaffen, gibts es 50 $ extra!“ Der Taxifahrer trat aufs Gas und flog beinahe durch die engen, teilweise noch immer verstopften Straßen. Die halsbrecherische Fahrt endete nach genau 9 Minuten vor dem Redaktionsgebäude. In Gedanken war er schon auf Hawaii und verprasste seinen neuen Reichtum. Aber halt, nur einen kühlen Kopf bewahren, die Bilder die er dabei hatte, waren Goldstaub, also musste gut verhandelt werden um ein Maximum herauszuschlagen.

Als er die Redaktion betrat herrschte dort absolute Ruhe. Wo war nur das sonst so hektische Treiben hin? War er im falschen Film? Plötzlich hörte er Gekicher aus dem Vorzimmer des Chefredakteurs. Das war sowieso sein Ziel, also ging er direkt dorthin. Als er das Vorzimmer betrat, glaubte er seinen Augen kaum. Das komplette Redaktionspersonal scharte sich um den Rechner der Vorzimmerdame und kicherte und gluckste voll Entzücken. Mit viel Mühe konnte er einen Blick auf den Monitor erhaschen: „knut webcam“ stand dort geschrieben. Wer zum Henker war dieser Knut, das er es schaffte das komplette Redaktionspersonal von der Arbeit abzuhalten. Egal, er nutzte die Chance um direkt das Büro des Chefredaktuers zu betreten, sonst war das wegen dem „Drachen“ im Vorzimmer nur schwer möglich.

Da saß er nun, mit dem gleichen unangenehmen Grinsen wie Patrick Ryan aus „dolmen das sakrileg der steine“ im Gesicht. Jetzt die Ruhe bewahren und knallhart verhandeln. „Ich hätte da etwas, das sie interessieren wird!“ „Das behaupten hier jeden Tag tausende, wenn die Störung nicht absolut gerechtfertigt ist, hole ich den Sicherheitsdienst!“, tönte der Chefredakteur ihm entgegen. „Ich habe, Sie werden es kaum glauben, äußerst, sagen wir pikante, Fotos von Britney Spears. Aufgenommen vor knapp 12 Minuten. Damit dürfte die Nachtausgabe der Sun zum Bestseller werden.“ Der Chefredakteur beugte sich interessiert nach vorn…

Plötzlicher Reichtum

Es waren wirklich zähe Verhandlungen, das miese Schwein von Chefredakteur hatte tatsächlich versucht ihn ganz übel abzuzocken. Aber er war hart geblieben und somit satte 800 Riesen aus seinen Bildern geschlagen. Er war eben doch der Beste. Wenn man mit Bildern einer kleinen Partyschlampe soviel Kohle machen kann, dann muss auch gleiche eine Party gemacht werden. Genau im richtigen Moment klingelte sein Handy. Auf dem Display sah er, das es sich um einen Kumpel handelte, mit dem er eigentlich ins Kino wollte. Das passte hervorragend. Er ging ans Telefon. „Mann, wo bist Du denn hin? Auf einmal warst Du wie vom Erdboden verschluckt.“ Er beruhigte seinen Kumpel und schilderte in kurzen Stichworten, was sich inzwischen zugetragen hatte. Sie verabredeten sich in einem Szeneclub, nur ein paar Blocks entfernt.

Obwohl es schon recht spät war, waren die Straßen und Wege weiterhin verstopft. So konnte er den Weg in den Club schon fast mit Turnübungen vergleichen. Völlig erschöpft kam er am Club an, wo seine Kumpels bereits auf ihn warteten. Wie abgesprochen verbeugten sie sich gleichzeitig vor ihm und gratulierten zum gelungenen Coup. Alle rochen ein wenig nach Alkohol, also hatten sie sich unterwegs schon warmgetrunken. Das verhieß eine wahnsinnige Party. Genau das, was er jetzt brauchte.

Die Party steigt

Als sie den Club betraten hämmerten ihnen wuchtige Bässe entgegen. Wie lange war er schon nicht mehr hier gewesen? 8 Jahre? Eine verdammt lange Zeit. Und es hatte sich verdammt viel geändert. Dort wo früher eine von unten beleuchtete Glasbühne zum Tanzen einlud, befand sich jetzt eine futuristisch anmutende Bar. Über der Bar waren metallische Gebilde angebracht, die eher nach Altmetall aussahen als nach einer Clubeinrichtung. Aber all das störte ihn nicht, er wollte nur noch feiern.

Sie gingen in den hinteren Bereich des Clubs, denn dort war die Musik weniger laut, so das man sich auch noch unterhalten konnte. Und es gab viel zu erzählen. Erst nachdem er das 5. Mal die kompletten Geschehnisse erläutert hatte, gaben seine Kumpels Ruhe. Nun wollten sie sich voll und ganz auf die Party konzentrieren, man lebt schließlich nur einmal. Es wurden mehrere Flaschen Tequila geordert, ein paar Pitcher Bier ebenso und das Gespür nach einem guten Geschäft veranlasste den Geschäftsführer des Clubs, der kleinen Partygemeinschaft eine eigene Bedienung zur Verfügung zu stellen. Nach den chaotischen Geschehnissen sah es nun also ganz so aus, als ob der Abend ein wahrer Kracher werden würde.

Schwindendes Wahrnehmungsvermögen

Bereits 4 Stunden war es nun her, das er mit seinen Kumpels im Club angekommen war und die Party seines Lebens steigen ließ. Unmengen Tequila begannen seinen Kopf zu vernebeln, die Augen spielten ihm hin und wieder einen Streich und er hörte Stimmen die es gar nicht gab. Sowas hatte er erst einmal erlebt, aber damals war es eher eine Verbindung aus Alkohol, Staub, Hitze und Rockmusik. Damals, als er im Sommer zu einer Bildberichterstattung in Deutschland auf dem Abschiedskonzert einer deutschen Rockband war. Verdammt, wie hieß das damals nur? Vaja can Dias? Vana van Rias? Nein! Vaya con tioz! Das war es. Der verdammte Alkohol. Er musste ganz dringend raus an die frische Luft.

Schwer taumelnd erhob er sich um sich den Weg zum Ausgang zu bahnen. Die laute Musik im vorderen Teil des Clubs raubte ihm den letzten Nerv. Wie durch einen wabernden Schleier nahm er tanzende Menschen wahr, er befand sich in einem Zustand zwischen Realität und Halluzination. Nach ein paar Minuten, die ihm wie Stunden vorkamen, erreichte er den Clubeingang und taumelte nach draußen. Weg hier, schoß es ihm durch den Kopf. Nur nicht gesehen werden und irgendwo in aller Ruhe wieder klar werden.

In einer Seitenstraße unweit des Clubs fand er eine dunkle Ecke und ließ sich nieder auf den kalten Beton. Wurde er tatsächlich langsam alt? Früher konnte er trinken ohne Ende, jetzt brach ihm der Tequlia gnadenlos das Genick. Doch die frische, kalte Nachtluft ließ ihn wieder klarer werden. Den Club jedenfalls würde er heute nicht mehr betreten. Seine Kreditkartennummer hatte er hinterlassen, also würde man ihm ganz einfach die Rechnung abbuchen und gut. Reinen Gewissens machte er sich auf, um ein wenig durch die Nacht zu spazieren. Vielleicht würde es ihm danach besser gehen.

Auf der Brücke

Sein Weg führte ihn hauptsächlich über kleine Nebenstraßen. Die Gegend war ihm völlig unbekannt, aber irgendwann würde er schon einen Anhaltspunkt finden, der ihn auf den Weg nach Hause bringen würde. „Nach Hause“, ja das klang gut. Nur das sein Zuhause ein kleines, schäbiges 2-Zimmer-Appartement war. Aber das sollte sich jetzt ändern. Er hatte Geld, und das würde er in eine vernünftige Wohnung stecken.

Während er, langsam klarer werdend, über eine sonnige Zukunft nachdachte, erreichte er eine kleine Brücke. Hinter den schmiedeeisernen Verzierungen der Brücke fuhr ein kleiner Dampfer durch die Nacht. Er erinnerte sich seiner Kindheit, als er mit seinem Großvater auf einem solchen Dampfer einen Auflug machte. Diese Erinnerung trieb ihm die Tränen in die Augen, so das er sofort sein Handy hervorkramte um diesen Augenblick in einem handyvideo festzuhalten. Der Dampfer war lange veschwunden als er sich weiter auf den Weg machte. „Ja“, sagte er zu sich selbst, „Du wirst wirklich alt. Jetzt beschäftigst Du Dich schon mit solch sentimentalem Scheiß.“ Er verlies die Brücke und kam ins benachbarte Stadtviertel.

Rotlicht

Urplötzlich wusste er wieder wo er war. Hier war er früher schon oft, nachdem er sich mit seinen Kumpels die Nase mit Koks vollgeknallt hatte, um sich eine Dame des horizontalen Gewerbes für eine schnelle Nummer zu suchen. Was war das nur für eine verrückte Nacht? Aus einem geplanten Kinobesuch wurde erst das Geschäft seines Lebens und danach eine Party, wie er sie noch nie gefeiert hatte. Und zu guter Letzt landet er im Rotlichtviertel der Stadt, das er schon jahrelang nicht mehr betreten hatte.

Wo er nun schon leichte bis mittelschwere Nostalgieanflüge hatte, nutze er die Gelegenheit, um sich an den Orten seiner wilden Jugend umzusehen. Erinnerungen kamen in ihm hoch, freudige wie auch traurige. Da war die Kneipe, in der er in eine böse Schlägerei verwickelt wurde, was ihm einen 3wöchigen Krankenhausaufenthalt einbrachte, aber da war auch die nette kleine Bar, in der ihm die hübsche Tänzerin ihr höschen zuwarf, in dem ihre Telefonnummer stand. Ihm wurde klar, das er wirklich viel in seinem Leben erlebt hatte, viel zu viel für 40 Jahre. Das würde ihn später einiges kosten.

Immer düsterer wurden seine Gedanken, also beschloß er nach Hause zu fahren. Er winkte sich ein Taxi heran und stieg ein.

Festnahme

Als er endlich zu Hause war, graute draußen bereits der Morgen. Er ließ sich auf sein Sofa fallen und öffnete sich eine Flasche Tequila. Den hatte er jetzt bitter nötig. Ihm wurde warm als der Tequila durch seine Kehle rann, die Anspannung der zurückliegenden Erlebnisse wich langsam von ihm und wieder stellte sich das benebelte Gefühl ein, das ihn schon so oft aus der Realität gerissen hatte. Plötzlich gab es einen Knall, die Tür flog aus den Angeln und ein schwer bewaffnetes Einsatzkommando der Polizei stand im Raum.

„Hinlegen, Hände hinter den Kopf!“

Kaum hatte er die Anweisung befolgt, klickten die Handschellen. Grob wurde er hochgerissen und ein feistes Gesicht hauchte ihm eine Knoblauchfahne direkt in die Nase. „Haben wir Dich!“ Er wurde die Treppen heruntergestoßen und in ein schmutziges Auto geworfen. Türen knallten, der Motor heulte auf und und das Auto setzte sich in Bewegung. Er verfluchte den Alkohol, denn nur verschwommen konnte er im Rückspiegel des Autos das gleiche feiste Gesicht erkennen, das ihm eben fast einen Brechreiz beschert hatte. Was war hier los?

Auf dem Revier

Er musste einer Verwechslung zum Opfer gefallen sein, da war er sich ganz sicher. Man schaffte ihn in einen Verhörraum. Zwei Stühle, ein Tisch und eine Lampe. So etwas kannte er bisher nur aus schlechten Filmen und er hatte das immer für Übertreibung gehalten. Nachdem er auf einen Stuhl gesetzt wurde, drehte der Polizist die Lampe direkt in sein Gesicht. „Du weißt, weshalb wir Dich festgenommen haben?“ Nicht der geringste Grund, der seine Festnahme rechtfertigen könnte, fiel ihm ein.

„Du bist ein kleiner mieser Terrorist! Wir haben mit einer neuen Technik aus Europa, dem Bundestrojaner, Deinen Computer durchsucht und detaillierte Bilder einiger Regierungsgebäude gefunden. Gib es zu, Du planst einen Anschlag!“

Zechprellerei, mal eine Nutte etwas grober angefasst, Falschparken, das waren Dinge, die man ihm höchstens vorwerfen konnte. Aber das er unter Terrorismusverdacht stand, schlug dem Fass den Boden aus. Klar hatte er solche Bilder, das war schließlich sein Beruf. Aber deswegen wollte er doch keinen Anschlag planen. Sein Gegenüber verfinsterte den Blick und wartete auf eine Antwort. Aber was soll man sagen, wenn man sich in einer solchen Situation nicht noch tiefer reinreiten will? „Ich habe nichts zu sagen! Besorgen Sie mir einen Anwalt.“

Der feiste Fettwanst schlug mit der Faust auf den Tisch und hob zu brüllen an. Im letzten Moment verkniff er sich jedoch jegliche Ausbrüche und verließ murmelnd den Raum. Die plötzliche Ruhe war gut, endlich konnte er seine Gedanken ordnen, versuchen einen klaren Kopf zu bekommen. Er spürte eine enorme innere Anspannung und ein Zittern aller Glieder, dass dem weichenden Adrenalinschub folgte. Die gegenüberliegende Wand war komplett verspiegelt. Sein Aussehen war katastrophal. Er sah kaum mehr aus wie der smarte Fotograf, er ähnelte eher einer der fetten omas über die er sich in seiner Kindheit immer lustig gemacht hatte. So tief kann man also sinken.

Die Tür wurde aufgerissen und der feiste Typ kam mit hochrotem Kopf in den Raum. „Du kleiner Wichser, jetzt haben wir Dich. In Deiner Wohnung lag genug C4 um die halbe Stadt in die Luft zu jagen!“ Eine Ohnmacht drohte und…

Ende

…er wachte schweißgebadet auf. Nehmen diese Albträume denn nie ein Ende?


Verwendete Suchbegriffe (in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit):

  1. britney spears muschi
  2. knut webcam
  3. dolmen das sakrileg der steine
  4. Turnübungen
  5. Altmetall
  6. Vaya con tioz
  7. handyvideo
  8. höschen
  9. Bundestrojaner
  10. fette omas

Falls es jemanden interessiert: Die Geschichte selbst umfasst 2153 Wörter mit insgesamt 13430 Zeichen. 😮

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

10 thoughts to “Verhängnisvoller Partyabend”

  1. Keine Ahnung was mich da gepackt hat. Das sollte eigentlich wesentlich kürzer werden, aber die Schreibwut ist dann mit mir durchgegangen und so wurde es etwas mehr. :unsure:

  2. Woha übertreib ma nich ^^

    Viel Text, ich glaub ich fang garnicht erst an eine Geschichte zu schreiben, bei der Konkurenz (außerdem hab ich keine zeit)

Kommentare sind geschlossen.