Vorurteil Kfz-Kennzeichen

Nein, ich will hier keineswegs wieder die Diskussion um die Abschaffung der ortsbezogenen Kfz-Kennzeichen aufwärmen, das wäre Unfug und führt zu nichts. Aber ein wenig hat diese Diskussion schon etwas mit der Sache zu tun. Ohne jetzt spezielle Kennzeichen zu benennen sagt man sich ja ganz pauschal, das mit steigender Anzahl der Buchstaben vor der Trennung das fahrerische Unvermögen des Fahrzeugführers steigt.

Im Umkehrschluß bedeutet das für uns hier in Spandau (und ebenso im benachbarten Charlottenburg), das wir eine recht problematische Verkehrssituation haben, schließlich haben zwei von drei benachbarten Landkreisen gleich drei Buchstaben vor der Trennung. Deren Kürzel, HVL und OHV stehen landläufig für „Hirn- und Verstandlose“ bzw. für „Ohne Hirn und Verstand“, beide Fälle hier mal völlig wertungsfrei wiedergegeben.

Als drittes grenzt noch Potsdam an, also kein direkter Landkreis, eine kreisfreie Stadt eben, der eine Buchstabe vor der Trenung bürgt für Qualität, der Potsdamer ist ein guter Autofahrer. Wir mit unserem „B“ auf dem Kennzeichen werden im Umland mehr oder minder liebevoll als „Buletten“ bezeichnet, man sagt uns nach, wir würden das Gaspedal nur in den seltensten Fällen finden.

Und eben diese beiden Gegensätze, Berliner Geschleiche und umländisches Unvermögen kommen nicht von ungefähr. Sucht man nach der Begründung für die gegenseitigen Vorurteile, dann landet man schlußendlich wieder bei der Anzahl der Buchstaben vor der Trennung.  Denn eben besagte buchstabenzahlbedingte Steigerung des fahrerischen Unvermögens ist die Wurzel allen Übels.

Kommt jemand aus dem Umland nach Berlin, sieht er sich mit einer Vielzahl von Ampeln konfrontiert. Diese Ampeln benötigt man in der Stadt, um den Verkehrsfluß aufrecht zu erhalten. Im Umland geht es oftmals ohne Ampeln, dort hat man Platz für Kreisverkehre. In Berlin eben nicht.

Ist also jemand aus dem Umland in Berlin unterwegs, genießt er als erstes eine Art Welpenschutz, sieht man doch am Kennzeichen das man es mit einem Fahrer zu tun hat, der bereits durch die Anzahl… Ach, lassen wir das, weiter mit den Fakten. Sieht der Umlandkutscher nun ein Ampel die rotes Licht zeigt, geht er schlagartig vom Gas, auch wenn noch 100m zu fahren sind. Durch den folgenden Ziehharmonikaeffekt zieht sich die bisher 200m lange Blechlawine auf 500m auseinander.

Der Umlandkutscher vorn bekommt nichts davon mit, er hat mit den Ampeln zu tun und bemerkt nicht das er den kompletten nachfolgenden Verkehr in die Pfanne gehauen hat. Es mag ja sein, das dieses Verhalten einen gewissen energiesparenden und somit umweltschonenden Effekt hat, aber eines liebe Umlandkutscher merkt euch bitte trotzdem:

Wir haben in der großen Stadt schlicht und ergreifend keinen Platz für solche Spielchen!

Und wenn jetzt jemand sagt, das man an der Ampel ja sowieso halten muss, sie ist ja rot, dann hat er zwar recht, aber es stehen wieder alle Autos hintereinander und nicht weit verteilt über die Strecke, wo für gewöhnlich die gleiche Menge Autos Platz findet. Es ist eben nicht alles zeitsparend was rollt, manchmal geht es mit stehendem Verkehr schneller.

Achja, die Sache mit den schleichenden Berlinern im Umland: Als ordentlicher Großstadtbewohner tut man es anders als der gemeine Umlandkutscher, man passt sich dem Gastgeber an. Und wie es der Gastgeber im Umland gerne hat, zeigt er ja täglich im Berufsverkehr auf Berlins Straßen. Noch Fragen?

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

14 thoughts to “Vorurteil Kfz-Kennzeichen”

  1. Endlich hat es mal jemand auf den Punkt gebracht 😀 Ich fühle mit dir 😉

    Besonders nervig sind auch diejenigen (übrigens sehr oft auch mit einem B neben der Plakete) die erstens riesen Lücken an der Ampel lassen sodass noch locker ein Schwertransporter dazwischen passen würde und dann, nach einem Farbwechsel zu grün, gefühlte 5 Minuten nach dem Vordermann los fahren.

    … Ich sollte wohl besser nicht erwähnen dass LOS auf meiner Flagge stehen habe 😉

  2. Ja, habe ich (die Frage)!
    Wer hat eigentlich die haltlose Behauptung aufgestellt, dass B’ler nie das Gaspedal finden?
    Mag sein, dass die Großstadtbewohner ausserhalb der Stadtgrenzen die nächste Ampel/Parkplatz suchen, aber IN Berlin fahren sie wie die letzten hirnlosen Geschöpfe!
    „Da sind 5mm Platz, da ziehe ich jetzt rein, weil der Wagen neben mir jetzt 2,79 cm weiter gekomen ist als ich!“ ist absoluter Standard in Berlin! Ohne Blinkzeichen wird da unter konsequenter Nötigung des anderen Verkehrs wilde Sau gespielt – gerne gehen da mal ein paar Aussenspiegel für drauf!
    Geblinkt wird erst, wenn es mehrfach hupt oder bereits knirscht, damit man seine Schutzbehauptung noch loswerden kann: „aber ich habe doch geblinkt!“.
    Selbst wenn geblinkt wurde, setzt der B’ler daraus gleich fort, dass er Vorfahrt hat.

    Deine Selbstschilderung über Berliner trifft auf den Großteil NICHT zu.

    Und bevor ich jetzt an den Pfahl gestellt werde: ich bin weder Berliner, noch bin ich gebürtiger Speckgürtelbewohner – der Fahrstil allgemein ist in und rund um Berlin unter aller Sau!

    Woran erkennt man auf einer Autobahn schon aus 2 km Entfernung, dass vor einem Berliner oder Randberliner fahren?
    Richtig! An der Konsequenten Mißachtung des Rechtsfahrgebotes! :mrgreen:

  3. @Sven: Da knirscht nix, keine Sorge, wir können das nämlich! Und für all diejenigen die das nicht gebacken kriegen, haben wir die BVG erfunden. Oder waren das die Schweizer…? :angel:

    BTW: Dein letzter Satz lässt keine Bewohner bestimmter Gebiete, sondern eher Fahrer bestimmter Kfz-Marken erkennen…

  4. wer denkt in Berlin wäre der Fahrstil unter aller Sau, der sollte mal in kleinere Städte fahren, die sich für Großstädte halten ;).

    Ich hab ja ne Weile in der Pfalz gewohnt und da ich beruflich viel in Kaiserslautern unterwegs war, weiß ich, dass Berlin verkehrstechnisch das reinste Paradies ist, auch Mainz und Wiesbaden sind die reinste Katastrophe.

    Aber seit ich wieder in Berlin wohne, hab ich eh kein Auto mehr, waren immer 2 Räder zuviel dran 😉

  5. Alles Auslegungssache! :w00t:
    Ich habe seinerzeit im Ruhrgebiet meinen Lappen gemacht und kann nur sagen, dass ich es jedesmal kaum erwarten kann, wieder dort unterwegs zu sein, denn im Gegensatz zu den Metropolen wie Berlin/Dusseldoof/München etc heisst dort Blinken wirklich noch „Ich wünsche abzubiegen“, und nicht „ich ziehe JETZT rüber, egal ob es Dir passt oder nicht, oder ob der Platz überhaupt da ist“.
    Auch werden dort Geschwindigkeitsbegrenzungen eher als „Minimum-Richtgeschwindigkeit“ gesehen, und nicht als Maximalangabe, besser 20% drunter bleiben.

    Was die Mittelspurschleicher betrifft, so trifft Deine Aussage NICHT auf den Berliner Raum zu!
    Da wird mit einem ollen Seat Ibiza genauso auf der Mittelspur herumgeeiert, wie mit einem „Funfer-BMW“.

    Wie gesagt, ich komme nicht von hier. Ich habe knapp 2 Jahre gebraucht um zu akzeptieren, dass hier die StVO eher als Leitfaden gesehen wird. :ninja:

  6. Komisch, das man als Berliner vorgeworfen bekommt das man Geschwindigkeitsbegrenzungen als Maximalangabe sieht, hat es bisher noch nie gegeben! 😎

    BTW: Hätte ich tatsächlich ein paar Fröhlichkeitsanzeiger in obigen Text streuen sollen? :unsure:

  7. Höhö! Einen ähnlichen Beitrag wollte ich auch verfassen. Ich wäre dabei jedoch weniger kennzeichenbezogen gewesen, hätte statt dessen die äußeren Geschlechtsmerkmale der Verkehrsteilnehmer herangezogen. Frauen sind das Übel! Und dabei ist es völlig unerheblich, ob die in oder um Berlin herum wohnen und fahren. Auch das Klischee des alten Sacks mit Hut wird immer wieder bestätigt.
    Ich bezeichne euch übrigens nicht als Buletten, sondern als „dumme, fahruntüchtige Berliner“. Berliner im Allgemeinen und die am Sonntag im Umland fahrenden im Speziellen haben mich dazu gebracht am Wochenende ein selbst auferlegtes Fahrverbot einzuhalten. Dass man außerhalb geschlossener Ortschaften nämlich 100 kmh fahren darf, wenn nichts anderes vorgeschrieben ist, hat sich offensichtlich nicht bis nach B herumgesprochen. Insofern stütze ich zumindest deine Behauptung, dass ihr aus B das Gaspedal nicht findet.
    Ich habe meine FS übrigens bei Schnee und Eisglätte in B gemacht. ’ne Überlandfahrt war dabei. Von daher sollte auch der dumme Berliner wissen, wie er zu fahren hat.
    So nun habe ich hier auch mal herumgepöbelt. Wieso ich mich das traue? Ganz einfach! Da gibts doch noch ein Klischee. Schrottie ist nämlich auch kein Berliner. Er ist Spandauer. Und die sind eben ein ganz eingener Schlag. 🙄 😉

  8. BTW: Hätte ich tatsächlich ein paar Fröhlichkeitsanzeiger in obigen Text streuen sollen? unsure

    Wenns ums Auto fahren geht, ist Sven ziemlich schnell auf Hundert. Als alter Berufskraftfahrer musste er sich ja täglich mit uns PKW-Pack herumschlagen. 😉 Ich denke er hat die unsichtbaren Fröhlichkeitsanzeiger schon wahrgenommen.

  9. Ruhig Blut, alles nicht so tragisch! :mrgreen:
    Ich schmeiße halt nicht so gern mit zig Smileys um mich. 😮 😯 🙂 👿 🙄 😉 Reichen die???? 😆
    „Alter Berufskraftfahrer“????? Jetzt ma nich komisch werden, wa!

    Aber wie schon gesagt, das ist alles sowas von subjektiv…….jeder hält sich selbst für den weltbesten Kraftfahrer der Welt, und es liegt nunmal in der Natur (da kommt der alte Germane und Jäger/Sammler wieder durch), sich selbst über andere stellen zu müssen – das ist purer Zwang (behauptet zumindest die Wissenschaft über uns Männer).
    Mist, wieder ein paar Smileys vergessen, :w00t: 😆 🙂 😛 :ninja:

    Und, nein bzw ja, die „Happyness signs“ wurden wa(h)rgenommen (so, jetzt vergesse ich die Smileys nicht) :mrgreen:

  10. Also ich wohn ja auch „auf dem Lande“… :unsure:
    Allerdings bilde ich mir ein (trotz hohen Alters 😡 ) einigermaßen Autofahren zu können.
    Mein Problem in einer fremden Großstadt ist ein anderes:
    Wenn man nicht genau weiß, wo man hin muß, sich deshalb in die falsche Spur einordnet – also kurz unsicher ist – kommt man bei den ortskundigen Fahrern schnell in einen schlechten Ruf.
    Anderum bin ich natürlich auch genervt von „Großstadtfahrern“ die hier SO fahren wie es in der Großstadt eben erforderlich ist um einen einigermaßen flüssigen Verkehr zu gewährleisten.

  11. B, wie Bulette: Innerorts, außerorts, immer schön 70 km/h, Autobahn Mittelspur, immer schön 100 km/h, keiner merkt, das ein Gaspedal beweglich ist. Nach vorn (jetzt wird es schneller), nach hinten (jetzt wird es langsamer), immer schön die Konstanz waren. Egal was vor oder hinter einem so passiert. Im schönen Berliner Umland machen das ansonsten nur Autofahrer mit Mütze! 👿

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