Wir sind Konkurrenz!

Im Zusammenhang mit dem erwartungsgemäß gescheiterten Versuch Groundspeak dazu zu bewegen, auf geocaching.com automatisierte Links zu Listings eines Caches auf anderen Plattformen anzubieten, stand nach wie vor noch immer eine Frage im Raum: Darf man in der Cachebeschreibung einen solchen Link anbringen?

Manch einer beharrt nun darauf, das diese Frage schon vor über einem Jahr im blauen Forum beantwortet wurde. Das ist aber nur insofern korrekt, das da jemand davon sprach, das konkurrierende Plattformen nicht verlinkt werden dürfen. Das Problem war nun also, das bspw. opencaching.de und navicache.com im Gegensatz zu geocaching.com keine kommerziellen¹ Plattformen sind, also nicht konkurrieren sondern lediglich als erweiterndes Angebot zu betrachten sind.

Nachdem nun Jeremy Irish, CEO von Groundspeak den Vorschlag mit den automatischen Links mit einem kommentarlosen „No.“ abgebügelt hatte, entbrannte eine Diskussion um die Frage, ob nun eben die selbstständig eingesetzten Links statthaft wären. Hierzu stellte er, in klarem Zusammenhang mit opencaching.de folgendes klar:

Advertising a web site in a listing is considered an advertisement, so in all cases this is not allowed. This does not mean that reviewers are inconsistent with their reviews, however. It is certainly possible for a geocacher to update the listing to violate this guideline. Now that you know you can be sure to let others on your web site know.

[Quelle: feedback.geocaching.com]

Okay, damit werden noch immer keine Namen genannt, das wird er auch tunlichst vermeiden, immerhin gibt es ja auf der anderen Seite einige für Groundspeak sehr wichtige Kooperationen mit opencaching.de bzw. vielmehr geocaching.de, die will man sich ja nicht zersäbeln und damit auf reichlich zahlende Kundschaft verzichten.

Aber  eben durch den Zusammenhang dieser Aussage in der Diskussion wird klar: Groundspeak sieht opencaching.de als Konkurrenz. Im Grunde ist das nach wie vor absoluter Unfug, denn opencaching.de erhebt weder den Anspruch auf die Marktführerschaft von geocaching.com noch ist opencaching.de kommerziell und somit eben tatsächlich ein Mitbewerber. Das aber ist im Grunde jetzt egal, denn mit der „Konkurrenzaussage“ besteht endlich Klarheit bezüglich der Links: Sie sind nach den Guidelines von geocaching.com verboten.

Was aber bedeutet das im Einzelnen für die Benutzer von opencaching.de und geocaching.com?

Der Benutzer von opencaching.de wird davon zunächst nicht tangiert. Er kann nach wie vor seinen Cache listen wo er es will, und er kann nach wie vor den Wegpunkt der anderen, im Falle geocaching.com jetzt also konkurrierenden, Plattform angeben und der Link dorthin wird automatisch erzeugt.

Benutzer von geocaching.com hingegen, die in ihren Listings auch Links zu opencaching.de oder navicache.com hinterlegt haben, um den Findern die auch dort registriert sind das loggen zu erleichtern, müssen dringend ihre Listings überarbeiten, denn diese sind nun regelwidrig und somit von der Archivierung bedroht, wenn ein vorschneller Reviewer daran gerät. Zu hoffen bleibt aber, das hier die vernünftigen Reviewer überwiegen, die von einer Zensur der Listings absehen und einfach nur den jeweiligen Benutzer darauf hinweisen, das der Link entfernt werden muß.

Im Grunde ist es doch recht schade, das es erst zu dieser Diskussion kommen musste. Ohne die ständigen Kleinkriege gegen opencaching.de könnte es so ruhig in Cacherdeutschland sein. Alle Plattformen würden friedlich nebeneinander existieren und jeder könnte ganz genau so seinem Hobby nachgehen, wie es ihm gefällt. Aber nein, manch einer muß mit Gewalt gegen alles vorgehen, was er selbst nicht benutzen will. Und wenn dann noch ein Reviewer eifrig wie in der Vorschule „Herr Lehrer, ich weiß was!“ ins Klassenzimmer ruft, dann wundert auch der Ausgang dieser Geschichte niemanden mehr. Ich wage zu behaupten, das Verbot wäre nicht so konsequent ausgefallen, wenn nicht wieder jeder Gegner freier Projekte einen Großangriff auf geocaching.com gewittert hätte.

Fußnoten:

¹ Klar, auch dem Letzten sollte inzwischen bewusst sein, das Groundspeak mit geocaching.com Geld verdienen will. Nicht mehr und auch nicht weniger. Viel interessanter ist aber die Verwendung des Begriffes „kommerziell“ und wie ihn Groundspeak zuweilen definiert, denn daraus ergibt sich dann wieder, das opencaching.de eigentlich doch nicht kommerziell ist, Jeremy Irish hingegen Wortbruch betrieben hat.

Das geocaching.com nämlich als kommerziell zu betrachten ist, ergibt sich aus eigener Aussage. Im Zusammenhang mit dieser Geschichte hatte ich parallel einen regen Mailverkehr mit Seattle, in dem ich auch gleich weitaus umfangreicher ins Thema Links zu anderen Seiten einstieg. Unter anderem hieß es in der Antwort:

Our guidelines state that you cannot link to any commercial site. We allow non-commercial, non-competitive and geocaching-related links, such as geo-checker, but sites like Flickr are commercial.

Flickr ist nun also kommerziell, soso.  Aber betrachten wir die Sache kurz etwas genauer: Flickr bietet seinen Kunden einen gewissen Funktionsumfang kostenlos an. Will man mehr, so muß man bezahlen. Im Grunde also exakt das, was geocaching.com auch tut. Da hat man eine mühsam benutzbare Seite, jeglicher Komfort kostet Geld.

Und das lässt etwas ganz anderes in neuem Licht erscheinen: Jeremy Irish hat einst gelobt, das Geocaching für immer kostenlos bleiben würde. Dieses Gelübde hat er nun selbst ad absurdum geführt, denn kostenlos und kommerziell sind zwei grundverschiedene Dinge. Und wenn flickr kommerziell ist, also der kostenlose Basisteil unberücksichtigt bleibt, dann trifft dies ja auch auf geocaching.com zu. Interessant, oder?

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

9 thoughts to “Wir sind Konkurrenz!”

  1. Na was hast Du denn von einem Amerikaner erwartet? Aber seine Haltung ist doch klar und auch verständlich. Auch wenn im Moment die anderen Listingseiten keine Konkurrenz darstellen, könnte es sich doch mit Verlinkung darauf ruckzuck ändern, wenn die Leute merken, dass es kostenlos etwas gibt, was es bei gc.com nur gegen Bares gibt.
    Und am Beispiel Opencaching, wenn die Länderknoten irgendwann mal miteinander verknüpft sind :roll:, dann sehe ich da schon eine deutlich größere Konkurrenz für den europäischen Raum.

    Es geht aber nicht nur um die PM-Features, wenn mehr Leute auf anderen Listingplattformen unterwegs sind, können auch weniger Coins und Travel Bugs genutzt werden, da die ja dort nicht eingeloggt werden können, ganz im Gegensatz zu den kostenlosen Geokrety.

  2. Na dann warten wir mal ab ob das mit den kommerziellen Links dann wirklich auch so gehandhabt wird. Ich kenne einige Listings in denen quasi kommerzielle Links drin stehen. Wie ist das dann eigentlich mit den Events? Dort wird ja auch oft auf Gaststätten usw. verlinkt. Prinzipiell dürfte das ja dann auch nicht mehr erlaubt sein.

    1. Insgesamt dürfte so manches verboten sein, konsequent dagegen vorgehen wird man aber wieder nur in einem Falle, dessen bin ich mir spätestens nach eigengotts Auftritt in der „Ideendiskussion“ recht sicher. Ich denke, hätte man da nicht sofort gegen alles geschossen sondern zunächst Argumente zugelassen, dann wären die automatischen Links ebenfalls abgelehnt, aber eigene Links in der Beschreibung deutlich weniger restriktiv behandelt worden.

      @Max: Ich schätze mal, das Geschäft mit den Trackables macht sogar den Großteil der Einnahmen von Groundspeak aus. Denn wirklich teuer ist die Premiummitgliedschaft ja wirklich nicht. Und genau das macht sie letzt anzweiflungswürdig. Aber das ist ein ganz anderes Thema als die Geschichte mit den Links und dem Umstand, das OC jetzt in den Augen von GC kommerziell und vor allem eine ernsthafte Konkurrenz ist… :w00t:

  3. Wenn man schon keine Webseite bewerben darf, könnte man ja immerhin erwähnen, das der Cache auch woanders gelistet ist:
    „… Dieser Cache kann alternativ unter OCXYZ123 geloggt werden….“ oder so :ninja:

  4. Theoretisch ja. Praktisch zunächst auch. Aber auch in diesem Falle kann ich mir sehr gut vorstellen, das es hier den einen oder anderen Reviewer gibt, der das als „verbotene Werbung“ auslegt und ändert/löscht/archiviert. :blush:

  5. @steingesicht:
    meine Caches die auf beiden Plattformen gelistet sind, werden auch ohne den (Werbe-)Hinweis auf OC geloggt. Ich denke, die, die OC offen gegenüber sind, machen das schon von ganz allein ;).

    Denke aber auch drüber nach, nur noch bei OC zu veröffentlichen, bei mir in der Gegend gibts eh kaum OConly 😀

  6. Darf ich denn eigentlich auf meine eigene Seite verlinken, auf der ich kostenlos eine gpx-Datei zu meinem eigenen Cache anbiete? Damit Non-PMs mit Paperless-Cache-Gerät auch ihren Spass haben?

    Oder fällt das wieder unter einen ganz anderen Passus, den ich noch nicht kenne??

  7. @Chris Race:
    ja, sofern Du kein Adsense oder ähnliches geschaltet hast und die GPX selbst erstellt ist, fällt es ja unter den Punkt geocaching related

    1. Genau, wichtig ist, die GPX-Datei selbst zu erstellen, sie darf keine Groundspeak-Extensions enthalten. Wenn Du so etwas also vorhast, dann orientiere Dich einfach am GPX-Format von OC, das kann so verwendet werden und verletzt keine Rechte Dritter.

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